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#ZusammenBeisammen

FSJ & BFD in Zeiten von Kontakteinschränkungen

Im Erzbistum Hamburg engagieren sich in diesem Jahr ca. 150 Menschen im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD). Die meisten von ihnen sind zwischen 15 und 21 Jahren alt, aber auch lebensältere Menschen engagieren sich im Rahmen dieser Dienste. Das bedeutet konkret, dass sie in Vollzeit in einer Einrichtung des Erzbistums oder der katholischen Verbände und Einrichtungen als angelernte Hilfskräfte mitarbeiten. Die Freiwilligen unterstützen die Mitarbeiter_innen vor Ort und ermöglichen zusätzliche Hilfen und Angebote für die Kinder, Bewohner_innen, Patient_innen, Gäste und Hilfesuchenden in ihren Einsatzstellen. Das Erzbistum Hamburg ist der Träger des Freiwilligendienstes und damit für die Organisation sowie die pädagogische Begleitung der Freiwilligen und Einsatzstellen zuständig.

Die Freiwilligen lernen den Arbeitsalltag in sozialen, pflegerischen und pastoralen Arbeitsfeldern kennen und erhalten die Möglichkeit sich auf andere Menschen und deren Lebenswelten einzulassen. Wie geht das aber in Zeiten von Kontakteinschränkungen, in denen einige Einrichtungen komplett geschlossen werden, andere lediglich eine Notbetreuung sicherstellen und wieder andere sich abriegeln, um die Menschen in der Einrichtung zu schützen?

Freiwilligendienst - geht das gerade überhaupt?

Die Situation der Freiwilligen ist derzeit vielfältig: Manch Freiwillige sind unmittelbar von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen und werden in anderen Bereichen ihrer Einsatzstelle eingesetzt, um fachlich ausgebildetes Personal in sensibleren Bereichen einsetzen zu können. In einer besonderen Situation sind unsere Freiwilligen, die ihren Dienst in der Altenpflege leisten: Hier läuft der Dienst weiter, allerdings mit einem ganz neuen Augenmerk auf die Versorgung und den Schutz jener, die als besonders gefährdet gelten. Andere Freiwillige wirken bei der Notbetreuung an Schulen und in Kindertagesstätten mit und stellen dort mit den Mitarbeitenden sicher, dass die Eltern der zu betreuenden Kinder und Jugendlichen ihren derzeit unverzichtbaren beruflichen Tätigkeiten nachgehen können - zur Sicherstellung von z.B. medizinischer Verpflegung und lebenswichtiger Infrastrukturen. Und schließlich sind da auch jene Freiwillige, die sich mit einer Situation konfrontiert sehen, in der die Corona-Pandemie ihren Dienst lahmlegt, weil Einrichtungen geschlossen werden mussten. So geht es z.B. Jonathan, der sich stattdessen Betätigungen zuhause sucht: "Ich helfe noch mehr mit im Haushalt, versuche eine geregelte Routine aufzubauen und lese mehr in der Bibel und bete auch mehr. Die Stimmung war anfangs getrübter bei mir, doch durch Ziele, die ich mir selber gestellt habe, ist die Stimmung in der Coronazeit sehr hoch. Ich lerne seit Covid 19 Gitarre, lese regelmäßig Bücher und erfreue mich an dem wundervollen Wetter. Ich vermisse unglaublich die Kinder und das wunderbare Team, in dem ich bis jetzt arbeiten durfte und alle Freunde, die man zurzeit nicht in den Arm nehmen kann."

Für einige Freiwillige ist es möglich Aufgaben im Homeoffice zu erledigen, jedoch können auch sie ihren Dienst meistens nicht mehr in vollem Zeitumfang leisten.

Der Freiwilligendienst – ein Dienst für mich und gleichzeitig ein Dienst für andere – ist also weiterhin möglich. Es ist aber derzeit wie in so vielen anderen Lebensbereichen: Der Dienst verändert sich. Die selbst gesteckten Ziele müssen neu justiert werden, das Ziel anderen zu helfen erhält neue Formen und Dimensionen. Diese Veränderung legt auch nahe, dass sich die pädagogische Begleitung der Freiwilligen vom Erzbistum darauf einstellen muss. Es müssen neue Wege gefunden werden, um Freiwilligen Unterstützung anzubieten und weiterhin in Beziehung zu bleiben.

Begleitung aus der Ferne

Die Freiwilligendienste sind ein gutes Beispiel für Projekte und Aktionen, bei denen sich Menschen engagieren können und gleichzeitig eine Begleitung erfahren, die ihnen durch die Dienstzeit und darüber hinaus helfen soll. In der Einsatzstelle wird diese Begleitung durch eine Anleitungsperson realisiert, die in direktem Kontakt zu den Freiwilligen steht und den Arbeitsalltag mitbegleitet. Darüber hinaus kommt den Freiwilligen eine pädagogische Begleitung entgegen: Alle Freiwilligen im FSJ und BFD nehmen an regelmäßigen Seminarwochen des Erzbistums Hamburg teil und tauschen sich dort mit anderen Freiwilligen und den Bildungsreferent_innen der Freiwilligendienste im Erzbistum Hamburg über ihren Arbeitsalltag aus und arbeiten an Themen, die sich die Seminargruppen aussuchen. Die Anleitung in der Einsatzstelle verändert sich durch die neuen Maßnahmen oder fällt weg, die Seminare sind bis mindestens Ende April abgesagt.

Die Bildungsreferent_innen waren sich schnell einig, dass eine neue Möglichkeit für Austausch und Zusammensein geschaffen werden muss, sodass die physische Distanz eingehalten werden kann, aber keine soziale Distanz entstehen muss. Das Ergebnis der Überlegungen dazu ist das wöchentliche Angebot #ZusammenBeisammen, das allen Freiwilligen des Erzbistums Hamburg offensteht: Freiwillige und Bildungsreferent_innen treffen sich in einer Videokonferenz für ca. 90 Minuten, tauschen sich über die aktuelle Situation aus, geben sich Tipps und Ratschläge und bleiben so im Gespräch. So wird jede_r zum/zur Zuhörenden und Sprechenden zugleich und es kann ein Gefühl entstehen zusammen im Freiwilligendienst beisammen zu sein, über die Grenzen von räumlicher Nähe hinweg. Die wöchentlichen Sessions widmen sich einem jeweiligen Schwerpunktthema, angefangen von der anstehenden Projektarbeit, über Tipps für den Übergang zur Ausbildung/ zum Studium, bis zu Spieleangeboten.

#ZusammenBeisammen ist dabei nicht nur eine Reaktion auf eine aktuelle Situation, sondern auch ein Experiment über Räume hinweg Menschen zusammenzubringen und einander zuzuhören. So wie andere kirchliche Kreise derzeit das Sonntagsevangelium als Anlass für virtuellen Austausch, Zusammensein und gemeinsames Gebet nehmen, nimmt #ZusammenBeisammen das Wirken an meiner/meinem Nächsten und die eigene aktuelle Lebenssituation zum Anlass zusammenzukommen.

Mit Dankbarkeit, Geduld und Tatendrang in die nächsten Wochen

Es ist spürbar, dass sich viele Freiwillige, die derzeit nicht in der Einsatzstelle arbeiten können, die Rückkehr in die Einrichtung wünschen. Gleichzeitig gibt es ein breites Verständnis für die aktuellen Maßnahmen und einen großen Willen so gut es geht zu helfen und im Moment auf diejenigen voller Respekt und Dankbarkeit zu schauen, die das gesellschaftliche Leben weiterhin ermöglichen. Unser FSJler Jonathan schreibt dazu: "In den nächsten Wochen wünsche ich mir mehr innere Ruhe und Entspanntheit in der breiten Bevölkerung, mehr Wertschätzung und Anerkennung für die Berufsgruppen, die für uns gerade den Laden am Laufen halten. Mehr Dankbarkeit im Leben und Freude für die kleinen Dinge und Momente, die wir vorher im Alltag nur belächelt haben. Natürlich wünsche ich mir noch eine Seminarfahrt mit meinen wunderbaren Mit-FSJler_innen, die auch täglich in den Einsatzstellen mitgewirkt und gearbeitet haben und auch großartige Arbeit vollbracht haben."