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Weltflüchtlingstag
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / Kathrin Erbe

Erzbischof Heße zur Situation von Flüchtlingen

Flüchtlingsbischof Stefan Heße vermisst in den aktuellen politischen Debatten «zunehmend die Empathie mit den Flüchtlingen». Es scheine «fast nur noch darum zu gehen, wie wir diese Menschen fernhalten oder loswerden können», sagte der Hamburger Erzbischof im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zum Weltflüchtlingstag.

Politischer Streit sei nicht verwerflich, so Heße, solange dabei um gute Lösungen gerungen werde: «Wie können Flüchtlinge geschützt werden? Wie kann Integration gelingen, wie lässt sich der gesellschaftliche Zusammenhalt sichern? Und nicht zuletzt: Wie finden wir zu einer solidarischen Flüchtlingspolitik in der Europäischen Union?»

Ohne gemeinsame europäische Lösungen drohe ein «Unterbietungswettbewerb, bei dem es jedem nur darum geht, sich so viele Geflüchtete wie möglich vom Leib zu halten». Vorboten einer solchen Entwicklung seien bereits sichtbar: «Ich denke etwa an die deutsche Debatte über die Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze. Oder auch an die prekäre Situation im Mittelmeer: Seenotrettungsinitiativen, die schutzsuchende Menschen vor dem Tod bewahren, werden zunehmend drangsaliert.»

Zugleich müssten auch die konkreten Anliegen und Sorgen der Bevölkerung Widerhall finden: «Also: Wie steht es um Wohnungen und Jobs? Wie lassen sich Ghettos verhindern? Wie stellen wir eine gute Schulbildung für alle sicher?»

Mit Blick auf aktuelle Ereignisse wie dem Mord an der 14-jährigen Susanna betonte der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, er nehme die Ängste und Sorgen vieler Menschen sehr ernst. Allerdings habe er kein Verständnis «für diejenigen, die Ängste schüren und ausbeuten. Mir scheint: Manche Debatten in unserem Land werden hochgradig unseriös geführt.»

Besonders bedenklich sei es, «wenn Verbrechen einzelner pauschal einer ganzen Gruppe, also den Flüchtlingen, angelastet werden». Die aus ihrer Heimat Geflüchteten erschienen dann im öffentlichen Bewusstsein «nicht mehr als schutzsuchende Menschen, sondern als potenzielle Vergewaltiger, Mörder und Terroristen. Dies ist eine verzerrte Wahrnehmung.»

Zum Weltflüchtlingstag am Mittwoch (20. Juni) rief Heße dazu auf, die menschlichen Schicksale im Blick zu behalten hinter der Zahl von weltweit etwa 65 Millionen Flüchtlingen: «Verhärten wir nicht unsere Herzen, verschließen wir nicht unsere Augen!»

Quelle: KNA

Interwiev mit Erzbischof Heße