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„Vom Kern her dialogisch"
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / Matthias Schatz

Katholische Akademie HH verändert ihr Programm

Die Katholische Akademie zieht Konsequenzen aus der Corona-Krise. Beispielsweise geht eine neue Reihe der Frage nach, was systemrelevant ist. Und Präsenzveranstaltungen können auch digital verfolgt werden.

„Es ist momentan schwierig, ein Programm zusammenzustellen", sagt Stephan Loos. „Deshalb planen wir jetzt relativ kurzfristig, um möglichst zuverlässig Präsenzveranstaltungen anbieten zu können", fährt der geschäftsführende Direktor der Katholischen Akademie Hamburg fort. Natürlich in erforderlichem Corona-Abstand, den der große Panoramaraum im Obergeschoss der Bildungseinrichtung gewährt – und in dem nach den jüngsten Lockerungen der Corona-Vorschriften in Hamburg mindestens 27 Teilnehmer Platz nehmen dürfen.

Man wolle keineswegs wieder in die Situation kommen, Veranstaltungen absagen zu müssen wie in den ersten Wochen der Pandemie, ergänzt Loos mit ruhiger, aber entschiedener Stimme. Von daher gibt es vorerst auch kein Halbjahresprogramm der Akademie. Vielmehr wird ein Leporello-Flyer erarbeitet, auf dem Veranstaltungen bis etwa Mitte Oktober angekündigt werden. Und dann ein weiterer, mit dem Programm bis Jahresende.

„Kurzfristig entscheiden wir, ob es reine Präsenzveranstaltungen sind oder Hybridveranstaltungen, die zugleich als Livestream im Internet respektive als Videokonferenz angeboten werden." Loos verdeutlicht somit eine Konsequenz aus dem Lockdown im März: „Bis zur Krise hatten wir praktisch keine digitalen Veranstaltungen geplant. Jetzt werden wir uns stärker auf Kommunikationswege konzentrieren, mit denen wir auch Menschen erreichen, die sonst nicht zu uns kommen würden." Solche Hybridveranstaltungen werden zugleich einer weiteren Konsequenz aus der Krise gerecht: „Der Wert persönlicher Begegnungen ist deutlicher geworden", wie Loos sagt.

Aufgrund der Corona-Krise sind auch neue Veranstaltungen ins Programm genommen worden. Dazu gehört eine Reihe zum Thema „Wie wollen wir zusammenleben". Sie beschäftige sich mit Grundwerten, die aufgrund der Corona-Beschränkungen besonders in den Blick geraten seien, erklärt Loos. „Das betrifft das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit, die Frage, wer und was systemrelevant ist, und die Bedeutung von Kultur und Religion respektive Kirche in unserer Gesellschaft." Letztere seien sicherlich auch systemrelevant, nur dass sich dies auf andere Art und Weise bemesse als etwa bei Baumärkten.

„Katholische Kirche ist mehr als Liturgie"

In Kooperation mit der evangelischen Hauptkirche St. Petri ist zudem eine Reihe zu theologischen Themen vorgesehen. „Die beschäftigt sich mit Fragen, wie Gott angesichts einer solchen Krisenerfahrung gesehen wird", sagt Loos. In ökumenischer Verbundenheit könne die Katholische Akademie ihrer Aufgabe besser gerecht werden, den christlichen Glauben in einer Weise verständlich zu machen, die für Zeitgenossen nachvollziehbar sei.

„Kooperation und Dialog werden auch gesucht, wenn es um den Blick auf die katholische Kirche geht", sagt Loos weiter. „Akademiearbeit ist vom Kern her dialogisch. Die Katholische Kirche ist mehr als Liturgie. Sie hat auch die Verantwortung, sich an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen und das gilt es nicht nur nach außen, sondern auch nach innen hin deutlich zu machen."

Diesem Leitbild folgt auch die „Junge Akademie", die sich als Forum für 15- bis 25-Jährige versteht. Mit „Young Visions" hat sie einen interreligiösen Dialog mit Christen, Juden, Muslimen und Buddhisten etabliert. „Der wird sehr gut angenommen", berichtet Meike Wimmer, bei der katholischen Akademie zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising. Ähnlich wie die jährliche Sommerakademie, die dieses Jahr wegen der Corona-Beschränkungen abgesagt werden musste, ist eine neue Reihe konzipiert, die den Titel „Meine Zukunft, deine Zukunft, unsere Zukunft" trägt. Besonders begabte Oberstufenschüler diskutieren dabei mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Kirche. „Das soll eine Begegnung mit Neugier und auf Augenhöhe sein", betont Loos. Bei aller Aufmerksamkeit für Corona dürfe nicht vergessen werden, dass es eine junge Generation gebe, die suche, wie sie ihr Leben gestalten möchte.

Gegen Schluss hebt Stephan Loos noch eine Konsequenz aus der Corona-Erfahrung hervor: „Wir müssen uns stärker mit der Frage beschäftigen, wie wir mit Situationen umgehen, für die wir nicht gleich Erklärungen oder gar ein Patentrezept haben", meint der geschäftsführende Direktor. Einen Versuch in diese Richtung stellt die „Trostbrücke" dar – ein Blog, in dem Menschen schreiben, wie sie die Gegenwart erleben, was ihnen Mut macht, Zuversicht und Hoffnung gibt.

(Text: Matthias Schatz/ Neue Kirchenzeitung)