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„Vierzehneinhalb Kollisionen"
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / Schommer

Filmvorstellung und Diskussion mit Schülern

Es ist mucksmäuschenstill im Saal 1. Fast andächtig verfolgen die mehr als 250 Schüler der Katholischen Schule Harburg und der Domschule St. Marien im Zeise-Kino die berührende Geschichte des Rollstuhlbasketball-Profis Asael Shabo und des Unfallopfers Julian Zielinsky. Der eine verlor als Kind bei einem Terroranschlag in der Westbank nicht nur seine Familie, sondern auch sein rechtes Bein. Der andere stürzte vor zwei Jahren von einem Rohbau und ist seitdem von den unteren Brustwirbeln an querschnittgelähmt.Der Film „Vierzehneinhalb Kollisionen" des Hamburger Regisseurs Guido Weihermüller erzählt von außergewöhnlichen Begegnungen, drastischen Schicksalsschlägen und vor allem hoffnungsvollen Wegen zurück ins Leben.

„Mein erster Besuch bei den Rollstuhl-Basketballern in Wilhelmsburg hat mich damals total geplättet – und sehr berührt", berichtet Weihermüller den Acht- bis Zehntklässlern. „Und als ich hörte, dass diese internationalen Top-Spieler nicht nur gemeinsam trainieren, sondern auch zusammen auf dem Gelände einer Klinik für Unfallopfer leben und dort mit Unfallpatienten zusammenarbeiten, da war für mich klar: Diese Geschichte will ich erzählen." Eine Geschichte, die den Protagonisten des Films auch mit der Kameraführung auf Augenhöhe begegnet und die Zuschauer zu einem Perspektivwechsel im eigenen Leben auffordert. „Meine größte Sorge nach dem Unfall war die Einsamkeit", gesteht Julian Zielinsky. Und sie habe sich leider bewahrheitet. Selbst die engsten Freunde hätten sich zurückgezogen. Doch der 32-jährige blickt trotz des schweren Schicksalsschlages mit viel Hoffnung in die Zukunft: „Noch bin ich nicht wieder berufstätig. Aber ich bin davon überzeugt, dass ich wieder auf die Beine kommen werde. Ich schaffe das". Stundenlange Bewegungsübungen, Physiotraining, Meditationen, Yoga und Schmerzmittel bestimmen den Tag des gelernten Grafikers. „Ich stehe täglich für 75 Minuten in einer Vorrichtung, die ich mir selber ausgedacht habe", verdeutlicht Zielinsky seinen unbändigen Willen, zurück ins Leben zu finden. An einer Sprossenwand im Wohnzimmer seiner Wohnung hat er Seile befestigt, die seine Hüfte und Knie durch Anziehen in Stellung bringen, „So kann ich mich einklinken und stehen".

Die Stadtteilschüler hören aufmerksam zu, flüstern untereinander, stellen Fragen und sind sichtlich beeindruckt von der Willenskraft des jungen Mannes, der eben noch auf der Leinwand zu sehen war und nun im Rollstuhl vor ihnen sitzt. Sein Blick auf die Gesellschaft habe sich gewandelt. „Ich sehe jetzt in jedem Menschen so viel Stress, so viel Nervosität. Alle Leute rennen scheinbar durch ihren Alltag und gefährden sich nur unnötig", erklärt das Unfallopfer – und motiviert die Jugendlichen zu einem ruhigeren, bewusst gestalteten Alltag. „Und setzt Euch mit dem auseinander, was ihr noch nicht kennt. Konfrontiert Euch mit Welten, die Euch noch unbekannt sind", ergänzt Regisseur Guido Weihermüller zum Abschluss der Vorstellung. So finde die Geschichte von außergewöhnlichen Begegnungen, Berührungen und Kollisionen immer neue Fortsetzungen.