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Schwerin
Bildquelle: Nordkirche / Marcelo Hernandez

Amtseinführung von Bischöfin Kühnbaum-Schmidt

In einem Festgottesdienst im Dom St. Marien und St. Johannis und auf dem Marktplatz von Schwerin ist am Pfingstmontag (10. Juni) Kristina Kühnbaum-Schmidt in ihr Amt als Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) eingeführt worden. Die Einführung nahm Landesbischof Ralf Meister (Hannover) als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) vor, der ihr auch das Amtskreuz übergab. Anschließend hielt die Landesbischöfin ihre erste Predigt im neuen Amt. Der Gottesdienst wurde live aus dem Dom im NDR Fernsehen übertragen und war zusätzlich auf einer Großbildleinwand auf dem Schweriner Marktplatz mitzuerleben.

In seiner Ansprache würdigte Landesbischof Meister seine neue Kollegin im bischöflichen Amt als eine einfühlsame, kluge und mutige Frau, deren „aufmerksame und achtsame Art", auf Menschen zuzugehen, schnell ersichtlich sei. Kühnbaum-Schmidt sei geprägt von der „Lust an Theologie" und jener „intellektuelle(n) Durchdringung all dessen, was uns im Glauben zum Verstehen drängt". Gott sei für sie nicht nur eine geistliche, sondern auch eine geistige Lebensform. Der Schritt ins Amt einer Landesbischöfin erfordere Mut. Offenheit und Freude auf das Neue aber zeichne die neue Bischöfin aus: „Das Neue ist ein Geschenk aus den Möglichkeiten Gottes. Christinnen und Christen sind Möglichkeitsmenschen, die mit dem Unmöglichen leben. Und diesem Unmöglichen wollen Sie im Leben anderer Menschen Gestalt geben, sie begleiten zu einem beschenkten, einem gerechten, einem barmherzigen Leben", sagte Landesbischof Meister.

Raik Harder aus dem Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und Lienke Jürgensen, Kirchenkreis Nordfriesland, entzündeten Kerzen und überbrachten stellvertretend Segenswünsche aus der ganzen Nordkirche für die Landesbischöfin, auch auf Plattdeutsch: „Wi wünschen uns en vielfältige un opene Kark mit en Och un Platz för alle. Much unse wiede Himmel un Gottes Segen Se immer to siets stohn."

In ihrer Predigt sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: „Zu Pfingsten, dem großen Erinnerungsfest der christlichen Kirche, feiern wir, dass sich weltweit Menschen zum christlichen Glauben bekennen und darin miteinander verbunden sind. An Pfingsten erinnern wir alle einander: Wir glauben an den einen Gott, an den einen Christus, verbunden in dem einen, dem Heiligen Geist. Wir singen von der unbeirrbaren Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Wir seufzen mit Gottes Schöpfung, bitten und beten um seine Gerechtigkeit und seinen Frieden. Wir versuchen zu tun, was Not und Leid lindert. Wir gehören zusammen als Schwestern und Brüder aus aller Welt. Und mögen die Töne der Nationalisten und Populisten in unserem Land oder wo auch immer in dieser Welt auch noch so laut werden und noch so schrill sein – auch heute und hier wird öffentlich sichtbar und erfahrbar: Über alle Grenzen von Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen und Nationalitäten hinweg sind wir verbunden auf der Suche nach Versöhnung und Frieden."

Die Landesbischöfin betonte: „Von allen Anfängen an sind wir als Frauen und Männer gleichermaßen geliebt und gesegnet. Gleichermaßen beauftragt, Gottes Barmherzigkeit zu verkünden. Gleichermaßen berufen, die Liebe Christi zu leben. Gleichermaßen geistvoll begabt und befähigt für alle Aufgaben und Dienste und Ämter seiner Kirche." Auch an die friedliche Revolution in Osteuropa und der DDR vor 30 Jahren erinnerte Kristina Kühnbaum-Schmidt. Damals hätten viele Menschen das Schweigen gebrochen und sich auf den Straßen, mit Kerzen in den Händen, Würde und Freiheit zurückerobert.

Zugleich mahnte die Landesbischöfin: „Heute schicken wir selbst uns an, das Leben auf dieser Erde zu zerstören, Gottes geliebten Geschöpfen, und mit ihnen uns selbst, die Lebensgrundlage zu entziehen. Alle, die sich zu Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, bekennen, müssen sich deshalb fragen lassen, ob sie diese Welt und alles Leben auf ihr wirklich als Gottes Schöpfung, als sein Eigentum, betrachten. Als Schöpfung, die für unser Geld nicht zu haben ist. Aber die wir um dieses Geldes willen zerstören." Die Landesbischöfin weiter: „‚Wer sich zu Christus bekennt, wird sich entscheiden müssen, als Einzelner, als Kirche: Was tust du, was tun wir, um Gottes Schöpfung, um das Leben auf dieser Erde zu behüten und zu bewahren?"

Die Kollekte im Gottesdienst ist daher für Klimaschutzprojekte in den Partnerkirchen der Nordkirche bestimmt. Nach dem Ende der Fernsehübertragung ziehen die Teilnehmenden aus dem Dom in einer Prozession zum Marktplatz, wo der Gottesdienst mit der Feier des Abendmahls und dem Segen seinen Abschluss findet. Im Anschluss lädt die Nordkirche zu Begegnung und Gesprächen bei einem Festprogramm an Kaffeetafeln auf den Markt ein. Daran werden auch Repräsentanten aus Kirche, Gesellschaft und Politik teilnehmen, unter ihnen auch Vertreter der Partnerkirchen der Nordkirche.

Erzbischof Stefan Heße erinnerte in seinem Grußwort an die Lübecker Märtyrer, die 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir wie die Lübecker Märtyrer im Zeugnis für Christus mehr und mehr zur Einheit finden", sagte Heße. „auch wenn unserer Kirchen so manches trennt, sind wir doch gemeinsam unterwegs und lernen voneinander".

(Nordkirche)