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Ringvorlesung
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / Norbert Wiaterek

Großstadt: Kein Platz für Gott?

Lange war sich die Soziologie sicher, dass in den säkularen Großstädten Europas kein Platz mehr für Religion und Gott sein wird. Doch Religion, Gottesrede und auch Gott sind aus der Stadtöffentlichkeit nicht verschwunden. Sie sind heute präsent wie lange nicht. Dies will die vierte Ringveranstaltung zeigen, zu der das Institut für Katholische Theologie der Universität Hamburg im Rahmen des 100-jährigen Uni-Jubiläums und des fünfjährigen Bestehens einlädt. Kooperationspartner und Mitveranstalter ist die Katholische Akademie Hamburg.

Neun Veranstaltungen, drei Orte

Zwischen dem 29. April und dem 1. Juli sind neun Veranstaltungen mit namhaften Referenten geplant – immer montags von 18 bis 20 Uhr. Drei Orte sind vorgesehen: der Hörsaal J, Edmund-Siemers-Allee 1 (Rotherbaum), die Katholische Akademie, Herrengraben 4 (Neustadt), und die „Alimaus", Nobistor 42 (Altona). „Willkommen sind alle Interessierten. Besonders interessant wird es für Menschen aus der Stadt sein, die kirchlich oder religiös engagiert sind", so Prof. Dr. Christine Büchner. Die 48-Jährige ist seit 2014 Leiterin des Instituts für Katholische Theologie und seit 2018 zugleich stellvertretende Direktorin der Akademie der Weltreligionen. „Ziel der Reihe ist es, sowohl die Theologie in der Stadt als auch die Stadt in der Theologie sichtbar zu machen."

Städte sind Orte, an denen das Fremde nah ist. Auf begrenztem Raum begegnen sich Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen und Lebensentwürfe. Das macht Großstädte zu Orten besonderer Kreativität und außergewöhnlicher
Beziehungskonstellationen. Die Gespräche und Vorträge der Veranstaltungsreihe erkunden und diskutieren, was dies für religiöses und kirchliches Leben sowie für Theologien in einer Großstadt bedeutet. „Wie kommen in einer multireligiösen, weltanschaulich pluralen Metropole wie Hamburg christliche, auch katholische Sichtweisen zum Tragen?", fragt Büchner. „Offensichtlich anders als an anderen Orten." So sei in Hamburg das Etikett „katholisch" oftmals nicht zu finden. „Aber darauf kommt es auch nicht an. Wichtig ist eine überzeugende Haltung, die sich nicht aufdrängt." Lobend erwähnt Büchner in diesem Zusammenhang unter anderem das Projekt „Fratello". „Diese Solidaraktion ist ein Wegweiser, wie es mit Kirche in Zukunft weitergehen kann." Büchner verweist auch auf die Umnutzung nicht mehr benötigter Kirchengebäude. „Da gibt es ganz viele Ideen, etwa in der Pastoraltheologie, die dem Menschen dienen und damit auch Gott. Darum geht es Kirche ja eigentlich. Und so etwas wird in der Veranstaltungsreihe thematisiert werden."

Die Institutsleiterin spricht von vielen tollen Referenten, die wichtige Themen zur Sprache bringen. Sie stellt drei Veranstaltungen heraus. Zum Auftakt am 29. April referiert Prof. Dr. Martin Ebner aus Bonn zum Thema „Christentum urban. Christinnen und Christen in den Städten des Römischen Reiches". „Sie waren damals in einer ähnlichen Situation wie heute, sie suchten in einem pluralen städtischen Umfeld danach, was ihren Glauben ausmacht", so Christine Büchner.

Wie kann Kirche in Zukunft aussehen?

Am 24. Juni sprechen der Fundamentaltheologe und Dogmatiker Prof. Dr. Christoph Theobald aus Paris und der katholische Theologe Dr. Marcello Neri aus Flensburg über „Die Zukunft des Christlichen in Europa" mit der Frage „Wie kann Kirche in Zukunft – auch mit oder nach ihren Krisen – aussehen?" Am 1. Juli wird „Hamburg als Ort universitärer Theologien" vorgestellt – mit Referenten der katholischen, evangelischen und islamischen Theologie und der jüdischen Philosophie. Die Lehrenden der Uni Hamburg kommen aus verschiedenen religiösen Traditionen. Sie suchen das Gespräch und wollen unter anderem die Frage diskutieren, wie eine wissenschaftliche, akademische Theologie zum friedlichen Miteinander der Konfessionen beitragen kann.

(Text: Norbert Wiaterek)

Programm der Ringvorlesungsreihe