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Ökumenischer Kreuzweg

"Ihr werdet meine Zeugen sein"

Rund 700 Menschen haben nach Polizeiangaben am Karfreitag am ökumenischen Kreuzweg in Lübeck teilgenommen. Deutschlands wohl ältester Kreuzweg stand in diesem Jahr im Zeichen der vier Lübecker Märtyrer.

Unter dem Leitwort "Ihr werdet meine Zeugen sein! - Wofür stehst Du?" gedachten die Gläubigen der drei katholischen Kapläne und des evangelisch-lutherischen Pastors, die in Lübeck gewirkt hatten und von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. Der Tag ihres Todes jährt sich dieses Jahr am 10. November zum 75. Mal.

Erzbischof Heße würdigt Märtyrer

Die Lübecker Märtyrer hätten in einer Zeit, wo Menschen erniedrigt und ausgestoßen worden seien, die klare Sicht gehabt, dass diese Menschen Würde hätten, sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße.

Auch in unserer Zeit werde die Würde von Menschen missachtet, "wenn Kinder und Jugendliche auf den Schulhöfen gemobbt werden, weil man weiß, dass sie eine religiöse Überzeugung haben, oder wenn in Frankreich eine Seniorin, eine Jüdin, ermordet wird wegen ihres Glaubens." Die Christen sollten da stehen, wo Jesus stünde, mahnte Heße, nämlich auf der Seite der Menschen.

Es sei bedrückend, wie antisemitische Angriffe und Hass gegen Minderheiten in Europa zunähmen, sagte die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs. Der Antisemitismus sei dabei nicht leicht einer Ideologie zuzuordnen, sei mal rechtsextremistisch motiviert, mal aber auch islamistisch. "Wir haben es mit einem diffusen Vormarsch der Gewalt zu tun", urteilte Fehrs. Christus gebe Kraft, es mit den Despoten der heutigen Zeit aufzunehmen, so wie es einst die Lübecker Märtyrer getan hätten.

Seit 2002 ökumenischer Kreuzweg in Lübeck

Unter den Teilnehmern des Kreuzwegs mit fünf Stationen waren auch der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Björn Engholm, Landtagsvizepräsidentin Kirsten Eickhoff-Weber (SPD), der Lübecker Propst Christoph Giering sowie Pröpstin Petra Kallies.

Der Lübecker Kreuzweg wurde Ende des 15. Jahrhunderts angelegt und geriet nach der Reformationszeit in Vergessenheit. Seit 1994 wird er wieder jährlich gegangen, seit 2002 in ökumenischer Gemeinsamkeit. Er ist wie die "Via dolorosa" in Jerusalem 1.650 Meter lang und führt von der Jakobi-Kirche in der Altstadt zum Jerusalemsberg außerhalb der Stadt.

Text: KNA - Fotos: M. Heinen/EBHH