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Mehr als ein Trampelpfad
Bildquelle: EB HH / M. Innemann

Einweihung des Josef-Polz-Weges in Rostock

Im Jahr 1976 fing der katholische Ketechet Josef Polz an, einen Weg vom Neubaugebiet Lichtenhagen im Nordwesten Rostocks bis zu dem nahegelegen Dorf Klein Lichtenhagen anzulegen – Länge vielleicht 250 Meter. Weil die katholische Kirche nicht offiziell als Bauherr einer Kirche auftreten konnte, hatte Josef Polz auf seinem Namen ein reetgedecktes Haus gekauft, das er ausbaute. Es entstanden eine Kapelle, ein Gemeindesaal und Wohnungen. Die Katholiken in den Neubaugebieten Rostocks hatten dort bei der Kapelle St. Birgitta ihr erstes kleines Gemeindezentrum und fast jeder Gottesdienstbesucher kam seinerzeit über diesen Weg zum Gottesdienst. Der Weg heißt seit vergangenem Freitag jetzt auch mit Straßenschild ganz offiziell Josef- Polz-Weg. „Wir würdigen damit die Lebensleistung von Herrn Polz", sagte Ralf Mucha vom Ortsbeirat und SPD-Landtagsabgeordneter bei der Einweihung. Polz sei maßgeblich am Aufbau der Thomas-Morus-Gemeinde beteiligt gewesen.

Der ehemalige Pfarrer der Gemeinde, Heinrich Kuhlage, weis über seinen ehemaligen Mitarbeiter zu erzählen: „Ich habe keinen Menschen erlebt, der so sorgfältig und umsichtig mit den Finanzen umgegangen ist wie er, ehrlich und so sicher, wie wir es vor Gott sein möchten – spitze. Und mit klitzekleiner Schrift hat er bis zum letzten DDR-Pfennig alles festgehalten in seiner Kladde." Eigentlich haben laut Satzung die Straßen in Lichtenhagen keine Namen von Persönlichkeiten – der Josef-Polz-Weg ist da nun eine Ausnahme. Sein Sohn Markus überbrachte bei der Einweihung auch Grüße vom ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der zur Einweihung nicht kommen konnte, aber als Pastor der evangelischen Gemeinde in Evershagen mit Polz eng zusammengearbeitet hatte. Später sprach Gauck ihn an im Untersuchungsausschuss für die Auflösung der Stasi mitzuarbeiten. Dafür wurde Polz später mit einem Eintrag im Ehrenbuch der Hansestadt Rostock geehrt. Den Weg, ein Trampelpfad entlang an einem Garagenkomplex und Kleingärten, hat Polz bis 2009 selbst gepflegt. Dann erlitt er einen Schlaganfall und starb 2010 mit 78 Jahren. Rund 100 Menschen waren bei der Einweihung des Weges mit dabei und kannten Josef Polz und teilten ihre persönlichen Erinnerungen