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Lübecker Märtyrer

Gedenken zum 74. Todestag

In mehreren Gottesdiensten haben katholische und evangelische Christen am Freitag, 10. November 2017, in Lübeck der Ermordung der Lübecker Märtyrer durch die Nazis vor 74 Jahren gedacht. In der Gedenkstätte in der katholischen Propsteikirche Herz Jesu weihte Propst Christoph Giering am Nachmittag eine neu gestaltete «Schatzkammer» ein.

In dem Ausstellungsraum sollen künftig persönliche Erinnerungsstücke der vier Geistlichen gezeigt werden. Zu sehen sind unter anderem der Messkelch und der Fotoapparat von Eduard Müller, das Messgewand von Johannes Prassek, ein kleines Altarkreuz aus der Lutherkirche, wo Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink wirkte, sowie die Tür ihrer Gefängniszelle im Burgkloster, wo die vier Märtyrer zwischenzeitlich inhaftiert waren.

Erzbischof Stefan Heße erinnerte in seiner Predigt an den Prozess gegen die Märtyrer, bei dem sie im Juni 1943 vom Senat des Volksgerichtshofes in Lübeck zum Tode verurteilt wurden. «Dieser Prozess war kein Prozess nach Recht und Gesetz, sondern eine Farce», sagte er im Gottesdienst am Abend. Er rief dazu auf, Gott das Richten zu überlassen und stattdessen, wie die Lübecker Geistlichen, Arme, Leidende und Ausgegrenzte aufzurichten.

In der evangelischen Sankt Marienkirche hatte bereits am Mittag eine Andacht mit Pastorin Constanze Oldendorf und der langjährigen Leiterin des Lübecker Kulturforums Burgkloster, Ingaburgh Klatt, stattgefunden. Ein weiterer evangelischer Gottesdienst soll am Sonntag in der Lutherkirche gefeiert werden.

Die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller sowie der evangelisch-lutherische Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten während der NS-Zeit in Lübeck gewirkt. In Predigten und persönlichen Zeugnissen protestierten sie gegen die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten und wurden deswegen am 10. November 1943 gemeinsam hingerichtet. Die drei katholischen Kapläne wurden am 25. Juni 2011 in Lübeck seliggesprochen, der Pastor erhielt dabei ein ehrendes Gedenken.

An den Feierlichkeiten nahmen auch Alterzbischof Werner Thissen, Weihbischof Horst Eberlein sowie die Lübecker Pröpstin Petra Kallies teil. Thissen hatte sich nachdrücklich für die Seligsprechung der drei Kapläne und die Ehrung des evangelischen Pastors eingesetzt.

Die Gedenkstätte in der Krypta der Herz-Jesu-Kirche wurde 2013 eingeweiht. Eine Ausstellung dokumentiert Leben, Wirken und Vermächtnis der vier Geistlichen. Erzbischof Heße setzt sich für eine Heiligsprechung der Lübecker Märtyrer ein. (KNA)

Predigttext von Erzbischof Stefan Heße

Fotos: M. Heinen