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Krankenhäuser
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / K. Erbe

Interview mit Domkapitular Bonekamp

Domkapitular Berthold Bonekamp, stellvertretender Generalvikar des Erzbistums Hamburg, hat sich in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zur Zukunft der Krankenhäuser des Erzbistums Hamburg geäußert. Bonekamp ist Aufsichtsratsvorsitzender der Ansgar-Gruppe gemeinnützige GmbH. Zu ihr gehören das Marienkrankenhaus und das Kinderkrankenhaus Wilhelmstuft in Hamburg und das Marien-Krankenhaus in Lübeck. Außerdem ist er Vorsitzender der Aufsichtskommission für das Krankenhaus Groß Sand in Hamburg-Wilhelmsburg. 

KNA: Herr Bonekamp, das katholische Krankenhaus Groß-Sand in Hamburg-Wilhelmsburg hat angekündigt, seine Pflegeschule zum 1.Oktober zu schließen. Warum?

Bonekamp: Die Pflegeschule wird nicht komplett geschlossen. Wir verlegen nur den Theorieteil der Ausbildung an die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege im Stadtteil Hammerbrook. Die dortige Ausbildungsstätte wird von mehreren freien und konfessionellen Krankenhäusern der Stadt gemeinsam getragen. Da macht es Sinn, dass sich Groß-Sand auch daran beteiligt. Auf diese Weise wird auch das inhaltliche Spektrum für die Auszubildenden erweitert. Der praktische Teil der Ausbildung bleibt in Groß-Sand und alle Ausbildungsplätze bleiben erhalten.

KNA: Ausschlaggebend waren aber vor allem finanzielle Gründe, oder?

Bonekamp: Ja, die Schule hat ein Defizit eingefahren. Die Verlagerung der theoretischen Ausbildung ist Bestandteil unseres Sanierungsprogramms. Durch die Zusammenlegung können wir Kosten einsparen. Mit der Schulleitung waren wir seit vergangenem Jahr im Gespräch über die Situation der Schule. Im Juni haben wir die Entscheidung der Schließung dann öffentlich gemacht.

KNA: Die Entscheidung sorgt für Proteste der betroffenen Pflegeschüler, und auch die Schulleiterin kann einem Medienbericht zufolge die angeführten Gründe für die Schließung nicht nachvollziehen. Was entgegnen Sie?

Bonekamp: Wir haben den Betroffenen noch einmal erklärt, dass wir die theoretische Ausbildung in der größeren Schule für sinnvoll erachten, Kosten einsparen und bei unseren Plänen auch von der Sozialbehörde unterstützt werden. Natürlich kann ich verstehen, dass die Entscheidung bei der langjährigen Schulleiterin und auch bei Mitarbeitern und Auszubildenden für Frust sorgt. Aber letztendlich müssen wir die Zukunft des ganzen Krankenhauses im Blick behalten.

KNA: Kritiker sagen, durch die Schließung der Pflegeschule solle das Haus für die Übernahme durch einen privaten Investor attraktiv gemacht werden.

Bonekamp: Es ist ja kein Geheimnis, dass das Erzbistum Hamburg nach Trägern zur Übernahme seiner Krankenhäuser sucht. Wir haben als Diözese nicht die professionelle Kapazität, diese Krankenhäuser in einem wirtschaftlichen Fahrwasser zu halten. Dafür brauchen wir die Hilfe eines großen Trägers, der entsprechende Erfahrung hat.
Natürlich ist es die ureigenste Aufgabe der Kirche, sich um die Kranken zu kümmern. Deshalb ist Erzbischof Stefan Heße sehr viel daran gelegen, dass die Trägerschaft mindestens in christlicher Hand bleibt. Außerdem möchte das Erzbistum Minderheitsgesellschafter bleiben, um die Umsetzung des christlichen Leitbilds weiter sicherzustellen.

KNA: Wir reden also über Groß-Sand sowie die drei weiteren Krankenhäuser des Erzbistums, die zur Ansgar Gruppe zusammengeschlossen sind. Die Gespräche mit potenziellen neuen Trägern laufen seit Mitte 2019. Wie ist denn der Stand?

Bonekamp: Im Moment ruhen die Gespräche wegen der Corona-Pandemie. Sowohl unsere Krankenhäuser als auch andere Träger müssen zunächst die Folgen der Krise abwarten. Es gibt aber bereits mehrere Anbieter aus dem konfessionellen Bereich, die daran interessiert sind, die drei Häuser der Ansgar Gruppe zu übernehmen, nicht aber Groß-Sand.

KNA: Also doch ein nicht-christlicher Träger für Groß-Sand?

Bonekamp: Ich kann das nicht ausschließen. Aber wir sind mit allen Mitteln bemüht, das Haus im konfessionellen Bereich zu halten.

KNA: Was ist das Problem in Groß-Sand?

Bonekamp: Das Krankenhaus ist in einer wirtschaftlichen Schieflage. Größtes Problem ist, dass dort wegen sinkender Zinsen die Pensionsrückstellungen neu berechnet und bilanziert werden müssen. Ihre Summe beläuft sich aktuell auf zirka 34 Millionen Euro und wird in den nächsten Jahren durch die Veränderungen der Zinsen noch weiter steigen. Die Pfarrei Sankt Bonifatius in Wilhelmsburg, der das Haus eigentlich gehört, kann die Finanzierung nicht stemmen. Das Erzbistum hat bereits 19,5 Millionen Euro der Pensionsrückstellungen übernommen. Hinzu kommen weitere gesetzliche Vorgaben etwa im Bereich der Geriatrie sowie starke Schwankungen bei den Patientenzahlen und damit ein Ausbleiben von Einnahmen. Bei der Übernahme durch eine GmbH wäre das Haus sofort insolvent.

KNA: In der Lokalpresse wurde bereits über eine Schließung des Hauses spekuliert...

Bonekamp: Wir sind definitiv nicht daran interessiert, das Krankenhaus Groß-Sand zu schließen. Wir haben ein Sanierungskonzept erarbeitet. Es sieht vor, bis 2023 einen ausgeglichenen Haushalt für die Einrichtung zu schaffen. Es muss nun mit der Sozialbehörde abgestimmt werden, weil wir einen Versorgungsauftrag der Stadt Hamburg haben. In dieser Woche sind dazu Beratungen einer Lenkungsgruppe mit Mitgliedern des Trägers, der Behörde, der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung gestartet. Die Sozialbehörde hat auf jeden Fall schon ihren Willen bekundet, das Krankenhaus zu erhalten. Ich bin zuversichtlich, dass wir zu einem guten Ergebnis kommen werden.

KNA: Wie genau sieht das Konzept aus?

Bonekamp: Dazu möchte ich mich vor den Beratungen der Lenkungsgruppe nicht äußern. Ich mache keinen Hehl daraus, dass es ein schwieriger Prozess wird. Eine Sanierung ist nie einfach für ein Krankenhaus. Fest steht, dass Groß-Sand eine stationäre Einrichtung bleiben wird. Die Frage ist nur, welche stationären Angebote wir weiter vorhalten können und in welchen Bereichen wir stärker auf ambulante Behandlung in Form von Medizinischen Versorgungszentren setzen. Die Geriatrie, die einen Schwerpunkt des Hauses bildet und für die es bekannt ist, wird auf jeden Fall bleiben.

KNA: Wäre es eine Option, die drei Krankenhäuser der Ansgar Gruppe an einen neuen Träger abzugeben und für Groß-Sand eine andere Lösung zu finden?

Bonekamp: Unser Ziel ist, für alle Krankenhäuser einen gemeinsamen Träger zu finden. Ich bin optimistisch, dass das nach der geplanten Sanierung von Groß-Sand gelingen wird.

KNA: Gibt es ein Datum, zu dem Sie die Übernahme abschließen wollen?

Bonekamp: Nein. Auch wir haben gedacht, dass wir das schneller schaffen. Aber die wirtschaftlichen Probleme in Groß-Sand und die Corona-Krise haben den Prozess verzögert.