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Kirchenrecht

Die Instruktion und ihre Interpretation

Die Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation, in der unter anderem die Rolle der Pfarrer bei der Leitung von Pfarreien betont wird, sorgt weiter für Diskussionen in den Bistümern. Auch Strukturreformen sind in diesem Lichte zu prüfen – auch im Erzbistum Hamburg. Wie die „Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien" kirchenrechtlich zu interpretieren ist, dazu hat der Kirchenrechtler Dr. Klaus Kottmann vom Erzbistum Hamburg eine Einordnung vorgenommen, die Generalvikar Ansgar Thim Anfang der Woche allen Mitarbeitern des Erzbistums sowie den Pfarrern zur Kenntnis gegeben hat.

Der Kirchenrechtler hält fest, dass durch die päpstliche Bestätigung dem Inhalt der Instruktion eine Rechtsverbindlichkeit zukommt, was direkten Einfluss auf das Handeln im Erzbistum haben werde. Formal habe der Erzbischof jedoch das Recht und eventuell sogar die Pflicht, der Anweisung zu widersprechen und zwar, „wenn er seine Anwendung in seiner Diözese für schädlich oder ungeeignet hält", schreibt Kottmann. Ein solcher Widerspruch habe aufschiebende Wirkung.

Mit Blick auf die die Pfarreien betreffenden Änderungen hält der Kirchenrechtler fest, dass die Errichtung einer neuen Pfarrei bei gleichzeitiger Aufhebung mehrerer bislang bestehender Pfarrei geschieht – und zwar unter generellem Verweis auf „Eckpunkte für das Verständnis und die Entwicklung Pastoraler Räume im Erzbistum Hamburg". Dies stehe „in strenger Auslegung" im Widerspruch zur Instruktion. Denn die „verbietet allgemeine Dekrete zur strukturellen Veränderung der Pfarreienlandschaft in der Diözese und fordert detaillierte Begründungen für den Einzelfall", schreibt Kottmann. Hier müsse zukünftig noch detaillierter und spezifischer unter Bezug auf die Pastoralkonzepte das Vorhaben begründet werden, um sicherzustellen, dass die neue Pfarrei rechtskonform gebildet wird.

Besonders sorgsam muss die Bistumsleitung auch die Leitungsarchitektur in den Blick nehmen, wie sie modellhaft in Neubrandenburg und Hamburg-Blankenese angedacht ist. Diese Pfarrleitungsmodelle, bei denen die Pfarrer als „kanonische Pfarrer" oder als „moderierende Priester" tätig sind, seien zwar im Kirchenrecht ausdrücklich vorgesehen, doch dürften sie nicht in ihren Vollmachten und Funktionen beschnitten werden, so Kottmann. Es gebe jedoch viel Spielraum bei der Übertragung von Aufgaben und der Verteilung von Funktionen. Doch eines stellt Kottmann auch klar: „Die Instruktion untersagt die kollegiale Ausübung des Pfarramtes durch Kleriker und Laien." Der Kirchenjurist sieht, was die besonderen Leitungsmodelle angeht, somit Klärungsbedarf, hält aber die strittigen Punkte nicht für unüberwindlich.

Der Erzbischof hatte in einer ersten Reaktion auf die Instruktion gesagt, er sei überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der richtige sei. Es zeichnet sich ab, dass es noch ein langer Weg sein wird.

Quelle: Neue Kirchenzeitung/M. Heinen

 

Einordung von Kirchenrechtler Dr. Klaus Kottmann, Erzbistum Hamburg