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Keiner soll abgehängt werden
Bildquelle: Neue KirchenZeitung

Gründung der Pfarrei St. Lukas

Ganz im Osten von Mecklenburg wird an diesem ersten Adventssonntag die Pfarrei St. Lukas aus der Taufe gehoben. Neubrandenburg ist ein starkes Zentrum – auch nur eine von acht Gemeinden in einem großen Raum.

Zusammen kommen die Gemeinden Stavenhagen, Röckwitz, Malchin, Friedland, Penzlin, Woldegk. Dazu gehört der Wallfahrtsort Burg Stargard. Die größte Gemeinde aber ist Neubrandenburg mit zahlreichen katholischen Einrichtungen. Dazu gehören Kindergarten, Altenheim, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, ein großes Zentrum der Caritas mit vielen Beratungsdiensten; die Kolping-Initiative, wo Jugendliche für das Berufsleben fit gemacht werden. Die Neubrandenburger Kolpingsfamilie war schon zur Zeit der DDR eine starke Kraft. Eine Spezialität der Stadt: der Dreikönigsverein, der unter anderem das Dreikönigshospiz betreibt.

Wenn die Pfarrei am Sonntag neu gegründet wird, wird auch ein ganz neuer „Ort kirchlichen Lebens" vor der Tür stehen. Ein Kleinbus, der im Auftrag der Caritas „Rat auf Rädern" vermittelt. Der Bus wird künftig über die Dörfer fahren, soziale Beratung und Hilfe anbieten. „Für mich ist dieses Mobil ein Symbol", sagt der künftige Pfarrer von St. Lukas, Felix Evers. „Viele Menschen auf dem Land haben Sorge, dass sie abgehängt werden. Das Leben findet anderswo statt. Wir aber bemühen uns, die Menschen nicht allein zu lassen."

Dieses Bemühen schlägt sich in der Aufteilung der Gottesdienste nieder, auf die sich die Gemeinden geeinigt haben. In jeder der acht Kirchen soll sonntags zur immer gleichen Zeit Eucharistie gefeiert werden. Zur Zeit gibt es zwei Priester in der Pfarrseelsorge. Fünf Priester im Ruhestand leben im Raum, dazu ein Militärpfarrer. „Aber auch, wenn kein Priester da ist, wird es einen Gottesdienst geben, dann eben als Wortgottesdienst", sagt Pfarrer Evers.

Geistliche Heimat, geistliche Erneuerung

Dass das Leben in allen Gemeinden weitergeht, dafür sorgen die vier Gemeindeteams. Stavenhagen, Malchin und Röckwitz haben je ein eigenes Team, ein weiteres Team ist für Neubrandenburg, Friedland, Burg Stargard, Penzlin und Woldegk da. Für die pastorale Arbeit hat sich der Raum vier Schwerpunkte gesetzt. Die Kirchenmusik, Bildungsarbeit, geistliche Erneuerung und Ökumene. Es sind Bereiche, in denen die Gemeinden jetzt schon stark sind. Die Musik, vertreten durch Projektchöre in Neubrandenburg und Stavenhagen, Kirchenchor, Jugendband, Kinderchor und eine sehr beliebte Veeh-Harfen-Gruppe (die Veeh-Harfe ist eine Art Zither).

Weiterer Schwerpunkt sollen Ökumene, Bildungsarbeit und die „geistliche Erneuerung" sein. In der Bildungsarbeit gibt es bereits gute Erfahrungen mit dem Thomas-Morus-Bildungswerk und dem Dreikönigsverein. Die Vorträge und Diskussionen des „Philosophische Gesprächskreises" in Neubrandenburg finden nicht in kirchlichen Räumen, sondern stadteinwärts in einem Hotel (Hotel am Ring) statt. Der Ort und die politischen und philosophischen Themen führen auch viele Nichtchristen in diesen Kreis. Ohnehin ist der Dreikönigsverein in der ganzen Region ein Kontaktpunkt zwischen Menschen verschiedener Konfession, Religion und Weltanschauung.

Im Schwerpunkt der geistlichen Beheimatung und Erneuerung spielen alte und neue Formen des Gottesdienstes und der Spiritualität eine Rolle.

Speziell die Neubrandenburger wollen auch die dunklen Seite ihrer Gemeindegeschichte nicht ausblenden. Der Missbrauch von Kindern unter dem 1979 verstorbenen Pfarrer Hermann-Josef Timmerbeil hat Wunden in der Gemeinde geschlagen. Gemeindemitglieder berichten von einer gespaltenen Situation. Auf der einen Seite stehen Menschen, die den Geistlichen noch heute schätzen, andere sind entsetzt. „Wir müssen uns diesen Dingen stellen", ist Felix Evers überzeugt. „Denn das ist unsere Geschichte." Beim Umgang mit dieser Geschichte soll es nicht bei einer historischen Aufarbeitung bleiben „Wir müssen über unser Gottesbild reden", so Evers, „denn die Gewalt, die sich damals ereignet hat, hängt mit einer falschen Gottesvorstellung zusammen."

An welchen Gott glaubst du? Pfarrer Evers will sich dieser Frage so nähern: „Stell dir den besten Menschen vor, den du kennst. Sollte Gott in deiner Vorstellung schlechter sein – dann lass uns noch einmal darüber reden!"

Das Pontifikalamt mit Erzbischof Stefan Heße zur Gründung der Pfarrei beginnt am Sonntag, 2. Dezember um 10.30 Uhr in der St. Josef/St. Lukas-Kirche in Neubrandenburg, Heidmühlenstr. 9. Danach ist ein Empfang im Kinderhaus St. Nikolaus.

(Text: Andreas Hüser/Neue KirchenZeitung)