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Katastrophenschutz

Grundschullehrerin jetzt Rettungssanitäterin

Mit Verbänden, Brüchen und Reanimationsübungen hat Anna Zaubitzer fast täglich zu tun. Zum Glück nicht in der Katholischen Schule St. Antonius, wo sie als Grundschullehrerin arbeitet, sondern in ihrer Freizeit. Seit vielen Jahren engagiert sich die gebürtige Hamburgerin für die Malteser, gibt Erste Hilfe-Kurse und verbringt so manches Wochenende mit ehrenamtlichen Einsätzen auf Großveranstaltungen. Vor zehn Jahren entschied sich Zaubitzer zudem für eine Verpflichtung im Katastrophenschutz. „Ich bin heute eine sogenannte Meldeträgerin", erklärt die 39-jährige, die über einen kleinen Empfänger jederzeit erreichbar ist. Denn Zaubitzer sitzt im Katastrophenfall gemeinsam mit einem Arzt, einem Sanitäter und drei „rettungsdiensttauglich qualifizierten Personen" auf einem Schutzfahrzeug des Bundes, um Führungsverantwortung zu übernehmen.

Eine Aufgabe, für die die Qualifikation als Rettungssanitäterin unbedingte Voraussetzung ist. „Also habe ich in den vergangenen zwei Jahren meinen Rettungssanitäter gemacht", blickt die Lehrerin für Deutsch und Religion schnörkellos auf ihre Fortbildung zurück. Statt einer dreimonatigen Vollzeitausbildung entschied sie sich für eine berufsbegleitende Qualifizierung. Und die hatte es durchaus in sich: 160 Stunden Theorie, 160 Stunden Klinikpraktikum, 160 Stunden Rettungswachenpraktikum und 40 Stunden Abschlusslehrgang. „Ich dürfte jetzt hauptberuflich Rettungswagen fahren und könnte damit mein Geld verdienen", erzählt die Vollblut-Pädagogin – und schließt es für sich auch gleich aus. „Aber das will ich ja gar nicht", so Zaubitzer. Dafür hänge sie viel zu sehr an ihrer Arbeit mit den Erst- bis Viertklässlern. Aber im Fall der Fälle das eigene Wissen für die Gesellschaft einbringen, das ist ihr wichtig. „Wenn Hamburg den Katastrophenfall auslöst, dann sind wir die ersten Kräfte, die rausfahren", weiß Zaubitzer. Bis zu 100 Kilometer im Umkreis der Hansestadt stehen die Malteser bei Flutkatastrophen, Flugzeugunglücken oder auch großen Waldbränden zur Verfügung.

Im Kollegium der Katholischen Schule St. Antonius spielt all das keine große Rolle. „Aber einige sind doch ganz froh, jemanden dabei zu haben, der eine Ausbildung in diesem Bereich hat", grinst Zaubitzer. Bei kleineren Verletzungen von Schülern heißt es dann öfters: „Kannst Du mal eben drauf schauen?". Und die „Rettungssanitäterin im Schuldienst" gibt ihr Wissen gern weiter. Bei Erste Hilfe-Fortbildungen im Kollegium – und beim Grundschulsanitätsdienst. „Das ist eine kindgerechte Schulung, die wir einmal wöchentlich für unsere Dritt- und Viertklässler anbieten", so Zaubitzer. Beim Start dieses Ausbildungsangebotes im Jahre 2012 war das an Grundschulen in Hamburg noch ein absolutes Novum. Gerade läuft ein neuer Kurs mit 14 Kindern. „Wir haben generell deutlich mehr Anmeldungen, als Plätze zur Verfügung stehen", verdeutlicht die Pädagogin das hohe Interesse der Acht- bis Zehnjährigen an der altersgerechten Ausbildung, für die es sogar eine Urkunde als Nachweis gibt. Eine speziell gepackte Tasche mit Pflastern und Verbänden steht den Jung-Sanitätern später für ihren Einsatz im Schulalltag zur Verfügung. Und ob man ausgebildete Kinder dabei hat oder nicht – das merken die Kolleginnen und Kollegen von Anna Zaubitzer gerade auf Klassenfahrten ganz deutlich. „Die Grundschulsanitäter handeln bei kleinen Verletzungen einfach besonnener und wissen sehr genau, was zu tun ist. Und so bleiben auch alle anderen Kinder viel ruhiger", freut sich Zaubitzer über die Rückmeldungen, „Und das zeigt doch, wie nachhaltig eine solche Ausbildung ist". Denn darauf kommt es der Grundschullehrerin ganz besonders an.