Startseite
Startseite-> Im Gedenken an - Msgr. Ulrich Werbs nach langer Krankheit gestorben
Im Gedenken an
Bildquelle: Erzbistum Hamburg/ Kathrin Erbe

Msgr. Ulrich Werbs nach langer Krankheit gestorben

Er war ein Mann der Praxis, Pfarrer in Rostock und Wismar. Aber als Theologe hat er Impulse für die katholische Kirche der DDR gegeben. Am vergangenen Sonntag ist Msgr. Dr. Ulrich Werbs im Alter von 79 Jahren gestorben.

Wie ist katholischer Glaube in einer nichtchristlichen Umgebung möglich? Welche neuen Instrumente der Glaubensvermittlung sind jetzt nötig? Die katholische Kirche in der DDR hat sich diesen Fragen gestellt, noch eher als die Kirche im Westen. Zum Kreis der pastoraltheologischen Vordenker gehörte der Mecklenburger Theologe Dr. Ulrich Werbs. Er hat eher im Hintergrund gewirkt. Sein Name ziert keine bedeutenden Buchtitel. Der Titel, unter dem er viele Jahre lang für den gesamten ostdeutschen Raum Anstöße gab, klingt bescheiden: „Sekretär der Pastoralkonferenz in Berlin".
Ulrich Werbs war ein Mann der Praxis. Was er für zukunftsweisend hielt, hat er selbst in der Gemeinde angewandt. Zum Beispiel hat er in Rostock 1983 die jährlichen „Kurse zum Kennenlernen des christlichen Glaubens" erfunden. In jeder Fastenzeit beginnt ein einjähriger Kurs für einen gemischten Interessentenkreis. Nach einem Jahr können sich die Teilnehmer entscheiden, ob sie weitergehen und sich zu Ostern taufen lassen wollen. Glaubenskurse nach diesem Muster gibt es heute in vielen Gemeinden.
An vielen anderen Hilfen für die Seelsorge hat Ulrich Werbs im Hintergrund gearbeitet. Er gehörte zum Autorenkreis des Katechismus „Grundriss des Glaubens", einer theologisch soliden und mit anschaulichen literarischen Texten und Bildern versehene Glaubenseinführung, die in der ganzen DDR gebraucht wurde. Er stellte das „theologische Bulletin" zusammen, das alle Pfarreien mit aktuellen theologischen Aufsätzen vor allem aus dem Westen versorgte.
Schon als junger Priester wurde Ulrich Werbs mit der Ausbildung neuer Priester beauftragt. Schon zwei Jahre nach der Pries­terweihe 1966, nach kurzen Kaplanszeiten in Ludwigslust und Wismar, wurde er Präfekt des Pries­terseminars in Erfurt und des Sprachenseminars in Halle. Nach einer Reihe überregionaler Aufgaben kehrte der Theologe 1983 nach Mecklenburg zurück und war 13 Jahre lang Pfarrer der Rostocker Christusgemeinde. Aber mit 55 Jahren sollte er nach Erfurt zurückkehren. Ulrich Werbs wäre gern Pfarrer in Ros­tock geblieben. Aber er wollte die Bitte des Erfurter Bischofs Joachim Wanke nicht abschlagen. Es gab keinen besseren Mann für diesen wichtigen Posten, und Werbs und Wanke waren seit der Studienzeit Vertraute und hatten in der zukunftsorientierten Pas­toral ein gemeinsames Ziel.
Dass Ulrich Werbs Priester würde, war ihm schon als Kind klar. „Mit Ostseewasser getauft" und groß geworden in Sichtweite der See. Aufgewachsen ist er mit sechs Geschwistern, die ers­ten Jahre lebte die Familie unter der katholischen Kirche in Warnemünde. Der Vater war Flugzeug-Ingenieur und spielte sonntags das Harmonium. Die Brüder Ulrich und Norbert spielten oft Messfeier im Wohnzimmer. „Ich war immer der Priester, Norbert der Messdiener", so hat sich Ulrich Werbs erinnert. Am Ende wurden beide Priester, Norbert Werbs dazu Weihbischof in Schwerin.
Der Ostsee ist Ulrich Werbs trotz der Aufgaben in Berlin und Erfurt immer treu geblieben. Nach der Zeit als Erfurter Regens (1996 bis 2004) kehrte er als Pfarrer nach Wismar zurück. Die erste Zeit des Ruhestandes war er in der Schweriner St. Andreas-Gemeinde noch lange in priesterlichen Diensten tätig.
Als echter Mecklenburger hat Ulrich Werbs keinen Wert auf Ehren und Titel gelegt. Aber einem Ehrentitel konnte er sich nicht verweigern, der Ernennung zum Monsignore und Päpstlichen Ehrenkaplan 1987. Und als Pfarrer hatte er noch viele weitere Aufgaben – in der Studentenseelsorge etwa oder als Vorsitzender des Vereins für katholische Kirchengeschichte in Mecklenburg.
Nach langer Krankheit ist Ulrich Werbs am 3. Oktober im Altenheim St. Hedwig in Wittenburg gestorben. Der letzte Weg führt zurück in die Heimatstadt. Am 16. Oktober wird er seine letzte Ruhestätte auf dem Neuen Friedhof in Ros­tock finden. Das Requiem ist um 8.30 Uhr in der Christuskirche, anschließend die Beisetzung.

Text: NeueKirchenzeitung/ Andreas Hüser