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Herzlichen Glückwunsch

Weihbischof Werbs feiert Jubliäum

Am 25. März vor 40 Jahren wurde Norbert Werbs im Alter von 40 Jahren in seiner Heimatstadt Rostock zum Bischof geweiht. Bis 2015 war er Weihbischof in Schwerin. Pastoralreferentin Dorothea Dubiel gehörte zum Kreis seiner Mitarbeiter. Sie erinnert sich an die Zeit und den Bischof – von Anfang an.

Die Kapläne heutzutage werden auch immer eitler, wunderte sich die schon etwas betagte Frau aus Pogress, als sie das Halbdunkel des Beichtstuhls verließ. „Sie tragen jetzt schon richtig breite goldene Ringe!" Es war an einem Sonntag im Mai 1981. Wenig später stand der vermeintliche Kaplan mit dem dicken Goldring am Altar der Pogresser Dorfkirche und begrüßte die Gemeinde zur heiligen Messe: „Der Friede sei mit euch!" Er trug nicht nur den breiten goldenen Ring am vierten Finger der rechten Hand, sondern auch ein silbernes Kreuz an einer Kette über dem Messgewand und ein hellviolettes Käppchen auf dem Kopf. Dieses „Rotkäppchen", wie ein Kind der Pogresser Gemeinde sofort zu seiner Mutter sagte, war niemand anderes als der frisch geweihte Adjutorbischof Norbert Werbs.

Am 25. März 1981 hatte Bischof Heinrich Theissing aus Schwerin ihn in der Rostocker Christuskirche zum Bischof geweiht. Bei der Weihehandlung assistierten Bischof Joachim Wanke, Erfurt, und Weihbischof Theodor Kettmann aus Osnabrück. Denn Osnabrück war das Heimatbistum von Norbert Werbs. Die innerdeutsche Mauer hatte Mecklenburg vom Bistum Osnabrück so getrennt, dass der Osnabrücker Bischof seine Hirtensorge dort nicht ausüben konnte.

Aus dem Kommissariat Schwerin wurde 1973 das Bischöfliche Amt, das Bischof Heinrich Theissing leitete. Nun hatte er einen Weihbischof an seiner Seite, der ihn in der Seelsorge im weiten Mecklenburg unterstützte. Allerdings war ein Norbert Werbs sehr gern Priester und Pfarrer gewesen. Deshalb suchte er an jedem Sonntag ohne Bischofsaufgaben einen Altar in einer Gemeinde, sei sie noch so klein. Er wollte auch als Bischof den Gläubigen nahe sein. Das war in der ersten Zeit gar nicht so einfach. Der Bischofsring drückte bei jedem kräftigen Händedruck. Vielleicht waren das die erträglichsten von den Schmerzen im Bischofsamt. Irgendwann hatte sich Weihbischof Werbs daran gewöhnt.

Mit dem Fahrrad zur Sonntagsmesse

Äußerlich gab es reichlich Veränderungen: Umzug von Neubrandenburg nach Schwerin, Abschied von der Gemeindearbeit und von seinem geliebten „Trabbi", an dem er vieles selbst reparieren konnte. Stattdessen: Amtssitzungen und Gremienarbeit, Leitung des Seelsorgeamtes, Diakonen- und Priesterweihen sowie Kirch- und Altarweihen, Firmungen, Sorge um die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vorsitz in der Caritas Mecklenburg, theologische und pastorale Bildungsarbeit, Visitationen in den Gemeinden, dazu noch Mitarbeit in deutschen und weltkirchlichen Kommissionen – um einige wichtige Aufgaben zu nennen.

Da staunte ein Diakonatshelfer (Leiter von Wortgottesdiensten in Außenstationen) nicht schlecht, als vor seiner Haustür ein Mann mit seinem Fahrrad stand: „Ich wollte nur mal reinschauen, wie es geht." Gelegentlich fuhr Weihbischof Werbs als „Aushilfspriester" sogar zur Feier der Sonntagsmesse mit dem Fahrrad – Ausgleich zu den vielen sitzenden Tätigkeiten. Hin und wieder ging er zu Fuß zum Bahnhof, in die Stadt oder die Kaufhalle. Er wusste und weiß bis heute, wie teuer ein Stück Butter oder ein Brot ist. Ein seltenes Vergnügen gönnte er sich immer dann, wenn der Lankower See in Schwerin zugefroren war: Schlittschuhlaufen. Und wenn die Eisfläche verschneit war, rückte er mit einem Schneeschieber an und schob sich eine Lauffläche frei. Die Kinder jubelten, holten ihre Eishockeyschläger, markierten mit Taschen und Beuteln zwei Tore und flitzten übers Eis dem Puck hinterher.

Wenn die Urlaubszeit heranrückte, plante er auf unbekannten Territorien ausgedehnte Wanderungen. Nach der Wende 1989 war die Welt größer geworden. Mit Auto, Zelt und Fotoapparat war er in Europa unterwegs.

„Ja, hier Weihbischof Werbs", meldete er sich am Telefon. Wer ihn erreichen wollte, konnte es, sofern er im Haus war. Mit der Wende wurde vieles anders. Ohne Aufregung stellte er sich den Herausforderungen und Veränderungen, jetzt an der Seite von Bischof Theodor Hubrich.

Respekt vor anderen, Klarheit in der Sache

Die evangelische wie die katholische Kirche galten nun als gesellschaftliche Partner, deren Mitwirkung und Stimme in der Öffentlichkeit gewollt war und gehört wurde. Verträge zwischen Staat und Kirche regelten das Miteinander bis zu Fachbereichen wie Religionsunterricht, Polizei- und Gefängnisseelsorge. Die ökumenische Zusammenarbeit bekam ein großes Gewicht. „Doppelkopfbriefe" wurden geschrieben oder veröffentlicht, Erklärungen, Stellungnahmen, Aufrufe, die zwischen evangelischer und katholischer Kirche im Land abgestimmt waren.

„Für all das gibt es kompetente Leute, die die Wege bereiten. Wir sind ja nicht die ersten, die so etwas aushandeln." Weihbischof Werbs ließ sich beraten, nicht ohne genau nachzufragen, und lernte, sich auf dem politischen Parkett zu bewegen. Immer galt für ihn: Respekt vor dem Gegenüber und Klarheit in der Sache.

Dann, nach dem plötzlichen Tod von Bischof Hubrich am 27. März 1992, hatte er als Diözesanadministrator die Geschicke des Bischöflichen Amtes Schwerin zu leiten. „Omnia probare, bonum tenere" steht als bischöflicher Wahlspruch unter seinem Wappen: „Alles prüfen, das Gute behalten". Besser kann seine Art zu agieren nicht beschrieben werden. Dass das nicht immer leicht und spannungsfrei war, können viele bezeugen, die mit Weihbischof Werbs zu tun hatten. Doch Verlass war auf sein Ja wie auf sein Nein.

Sechs Fragen zu heißen Eisen

„Bischof Werbs fragt in Rom zu ,heißen Eisen': Muss das sein?" – titelte das Magazin „Der Spiegel" im Dezember 1991. Auf der Bischofssynode in Rom hatte der Schweriner Weihbischof Fragen gestellt. Unter der Voraussetzung, das Evangelium als befreiende Frohe Botschaft den Menschen heute zu verkünden, formulierte er „heiße Eisen" als sechs Fragen: Muss das so sein oder bleiben? Was ließe sich bessern? Die hierarchische Verfasstheit der Kirche und echte Mitsprache und Mitentscheidung, die Unterscheidung von natürlichen und künstlichen Formen der Empfängnisverhütung im Gegensatz zu verwerflicher Abtreibung, einen barmherzigen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die Mitbeteiligung von Frauen in der Leitung der Kirche und schließlich die oft als Bevormundung oder Gängelei empfundenen Vorschriften unserer Kirche fragte er an. Mit so heftigen Reaktionen auf diese Rede hatte er nicht gerechnet. „Ein 25 cm großer Stapel von positiven Zuschriften gegenüber etwa 5 cm Ablehnung", konstatierte er ohne nur den Anflug eines Medienstars.

1995: Gründung des Erzbistums Hamburg und die Zusammenführung von Ost und West, von Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg in einem Bistum, lässt sich die Zeit bis 2015, bis zur Emeritierung von Weihbischof Werbs, überschreiben. In mühevoller Kleinarbeit wurden Strukturen geschaffen, um die Verschiedenheit der Regionen in Einheit zu leben. Mit großer Geduld leitete er Schul-, Liturgie- und Kirchenmusikkommission. Mit Leidenschaft lenkte er sein Auto durch das gesamte Bistum. Dabei fand er noch Zeit, um einen kranken oder alten Mitbruder oder erkrankte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu besuchen. Und manchen gab er das letzte Geleit durch einfache Anwesenheit in der Gemeinde. Heute schmerzt ihn, dass ihm seine Gesundheit nicht mehr erlaubt, selbst Auto zu fahren. „Mit Bahn und Bus habe ich auch gute Möglichkeiten; lieber wär mir natürlich das Auto..." In aktiven Dienstzeiten hat er sich selten chauffieren lassen, gelegentlich mal von Frauen. Das Beifahrersein war nicht seine stärkste Rolle.

Am Tag seiner Bischofsweihe eröffnete Norbert Werbs seine Predigt mit Worten des hl. Augustinus: „Wo mich schreckt, was ich für euch bin, tröstet mich, was ich mit euch bin: Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ." Möchte er an seinem Weihetag Gottes Segen und Gnade spüren und den Dank vieler erfahren, die ihm als „ihrem Bischof" begegnet sind, der ihren Glauben stärken konnte. Und feiern, Herr Weihbischof? Nicht 40 Jahre, würde er antworten, 40 Jahre ist das Jubiläum der Kleingläubigen.

Eine eigene Feier zum Weihetag wird es wegen der Coronakrise nicht geben. Am 25. März, dem Fest Verkündigung Mariens, feiert die Gemeinde Neubrandenburg einen Gottesdienst, anschließend wird Pastor Engelbert Petsch dem Jubilar im Namen der Gemeinde gratulieren.

Text: Dorotha Dubiel / Neue Kirchenzeitung



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