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Gespräch Kirchen und DGB

„Soziale Spaltung verhindern"

Erstmals trafen sich heute (23. Januar 2019) Spitzenvertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), des Erzbistums Hamburg und des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bezirk Nord (DGB Nord) zu einem Neujahrsgespräch. Die Begegnung in Schwerin stand unter dem Motto „Soziale Spaltung verhindern". Landesbischof Gerhard Ulrich, Weihbischof Horst Eberlein und Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, warnten vor einer weiteren sozialen Spaltung in Norddeutschland. Sie bekräftigten, dass sich Kirchen und Gewerkschaften weiterhin gemeinsam für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie einsetzen werden.

Unter dem Motto „Soziale Spaltung verhindern" gaben Johannes Jakob, Abteilungsleiter Arbeitsmarktpolitik beim DGB Bundesvorstand, sowie Ingo Grastorf vom „Zentrum Engagement, Demokratie und Zivilgesellschaft" der Diakonie Deutschland, eine inhaltliche Einführung. Diözesancaritasdirektor Steffen Feldmann stellte anhand von Beispielprojekten dar, wie Spaltungstendenzen entgegengewirkt werden kann. Nach Ansicht der Gesprächspartner und Fachleute verschärfen die wachsende Ungleichheit bei Einkommen, Vermögen und Renten, der immer größere Niedriglohnsektor sowie die zunehmende Kinderarmut die gesellschaftliche Spaltung. Weitere Faktoren seien die Ausgrenzung von Gruppen, Geschlechter-Ungerechtigkeit sowie regional unterschiedliche Lebensverhältnisse.

Landesbischof Gerhard Ulrich hob hervor: „Wenn in Mecklenburg-Vorpommern die Armutsquote wesentlich höher ist als in Hamburg und Schleswig-Holstein; wenn besonders Alleinerziehende und Erwerbslose davon betroffen sind; wenn Arme immer ärmer und Reiche immer reicher werden – dann ist uns das nicht gleichgültig. Dann kann man von uns als Kirche erwarten, dass wir nicht stillhalten. Dass wir uns einmischen in den Diskurs der Gesellschaft. Dass wir Partei ergreifen für die, die schwach sind und denen es die Sprache verschlagen und den Mut verhagelt hat. Denn der Glaube, der sich auf Christus beruft, ist nicht Privatsache, sondern eine öffentliche Angelegenheit, bei der es auch um das Gemeinwohl geht."

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, betonte: „Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Dennoch wächst die soziale Spaltung. Das müssen wir stoppen, denn es ist ungerecht und bedroht unsere Demokratie. Der Norden ist besonders betroffen. Mecklenburg-Vorpommern ist der Lohnkeller des Ostens, Schleswig-Holstein der des Westens. Gerechte Löhne und Tarifverträge sind das beste Mittel, um das Auseinanderdriften der Gesellschaft abzustellen."

Weihbischof Horst Eberlein erklärte: „Ich wünsche mir eine präventive Ausrichtung der Armuts- und Sozialpolitik, damit ‚arm und benachteiligt' keine lebenslang anhaftenden Merkmale werden. Dazu müssen alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft – Kirchen und Gewerkschaften eingeschlossen – in einer Region an einem Strang ziehen."

Deutlich wurde im Verlauf des Treffens auch, wie Diakonie und Caritas seit Jahrzehnten Menschen bei der Bewältigung der Folgen sozialer Ungleichheit unterstützen. So engagiert sich die Wohlfahrtsverbände in Mecklenburg-Vorpommern für Menschen in prekären Lebensverhältnissen, unter anderem mit Suppenküchen, Sozialkaufhäusern und Tafeln. Auch im Bereich der Wohnungslosenhilfe, der Sucht- und Schuldenprävention ist sie mit vielen Angeboten aktiv.

Bischöfe und Gewerkschaftsvertreter diskutierten auch darüber, warum viele Menschen sich von der Politik allein gelassen fühlen. Grund dafür seien auch die 30 Jahre nach der deutschen Vereinigung noch bestehenden Unterschiede bei Einkommen und Wirtschaftskraft zwischen Ost und West, wurde im Verlauf des Treffens deutlich. Einig war man sich darin, dass niemand das Gefühl haben dürfe, abgehängt zu werden. Eine vergleichbare öffentliche Daseinsvorsorge in städtischen wie ländlichen Regionen, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sowie eine gute Bildungs-, Gesundheits- und Verkehrsinfrastruktur seien Voraussetzungen, um das Recht aller Menschen auf gleiche Teilhabe verwirklichen zu können. Weitere Themen waren sichere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen durch tariflich entlohnte Beschäftigungsverhältnisse, um die Angst vor sozialem Abstieg bremsen zu können.