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Gefängnisseelsorge

Eine Kerze und ein Text zur Meditation

In Hamburgs größtem Gefängnis findet auch zu Weihnachten kein Gottesdienst statt. Eine Aktion der Seelsorger schafft etwas Abhilfe.

Die Gottesdienste in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Billwerder sind für die Häftlinge mehr als einfach nur eine Gebetszeit. Sie bieten die Möglichkeit, mal rauszukommen und andere Gefangene zu treffen. Gewöhnlich gibt es nach jeder Feier ein Kirchencafé, bei dem sich die Besucher bei einer Tasse Kaffee und Gebäck unterhalten können. Die 40 Plätze reichen schon unter Normalbedingungen nicht aus.

Doch in Corona-Zeiten fällt all das weg. In Hamburgs größtem Gefängnis mit derzeit knapp 700 Insassen finden bereits seit März keine Gottesdienste mehr statt. Unter den Hygienebedingungen könnten sie nur in einem kleinen Rahmen gefeiert werden. Aufgrund der großen Nachfrage müssten dann massenhaft Termine angeboten werden, erläutert der katholische Gefängnisseelsorger Richard Raming. „Viele Häftlinge leiden unter den Corona-Maßnahmen", sagt Raming weiter, der seit 17 Jahren die katholische Gefängnisseelsorge in Hamburg leitet. So sind die Besuchsmöglichkeiten derzeit aus Infektionsschutzgründen in allen Haftanstalten in der Hansestadt eingeschränkt. Wenn überhaupt, sind die Begegnungen nur kurz und mit einer Trennscheibe möglich. Zum Ausgleich erhielten die Gefangenen in Hamburg Handys, mit denen sie Kontakt zu Angehörigen halten konnten. Allerdings endete die Maßnahme Ende September.

Die fehlenden Gottesdienste in Billwerder versuchen die Seelsorger mit Einzelgesprächen auszugleichen. Raming schätzt, dass die die Nachfrage nach solchen Treffen um rund 50 Prozent gestiegen ist. Weil es auch zu Weihnachten keine kirchliche Feier in dem Gefängnis geben wird, haben Raming und sein evangelischer Kollege dafür gesorgt, dass seit dem ersten Adventssonntag bis zum Dreikönigstag jeder Häftling auf Wunsch eine Kerze und einen kleinen Text zur Meditation erhalten kann. Die Aktion ist auf große Resonanz gestoßen. Der Theologe schätzt, dass 400 bis 500 Häftlinge teilnehmen. „Das ist die Zahl, die wir sonst zu Weihnachten mit den Gottesdiensten erreichen."

Quelle: KNA