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Eine Heimat auf Zeit
Bildquelle: www.malteser-hambur.de / Stefanie Langos

Heße besucht Malteser-Flüchtlingsunterkunft

Die Kantine der Flüchtlingsunterkunft am Rande des Naturschutzgebietes Neuer Höltigbaum in Hamburg-Rahlstedt ist gut gefüllt an diesem Donnerstagnachmittag des 27. Aprils als Erzbischof Stefan Heße die Erstaufnahme der Malteser besucht. In der Anfang Oktober 2016 eröffneten Einrichtung kümmern sich Olav Stolze und seine 43 Mitarbeiter um derzeit rund 280 Bewohner, darunter 40 Familien und fast 70 Kinder. Nach den Plänen der Stadt Hamburg soll die Zahl nach und nach auf 500 ansteigen. „Unsere Mitarbeiter im Sozialmanagement kümmern sich hier um das Seelenwohl der Menschen", so der Unterkunftsleiter. Stolze spricht von den Sorgen und Nöten der Bewohner, mit denen sie zu seinem Team kommen können. Während das Team des Unterkunftsmanagements beispielsweise dafür zuständig ist, dass das Gelände sauber und ausreichend Mahlzeiten vorhanden sind.

„Hand aufs Herz, wie klappt das Miteinander der verschiedenen ethnischen Gruppen?", will Heße wissen. „Es spielt hier keine Rolle, wer an was glaubt", sagt Stolze. „Je weniger Raum wir dieser Diskussion geben, desto besser". Es habe durchaus Bewohner gegeben, die sagten, ich schlafe nicht neben einem Christen. Das habe sich aber schnell geklärt und sei kein Phänomen, das den Mitarbeitern große Sorgen mache. Die Grundhaltung der Mitarbeiter spreche eine deutliche Sprache, das übertrage sich auf die Bewohner. „Wir sind ehrlich zu ihnen und sie spüren, dass wir uns von Herzen um sie mühen", so Stolze. „Ende vergangenen Jahres gab es hier einen Workshop darüber, wie und warum wir Weihnachten feiern. Das Interesse daran war auch unter unseren muslimischen Bewohnern groß", sagt Tanja Bee-Weinelt, die gemeinsam mit Stolze die Unterkunft leitet. „Christliche und muslimische Kinder schmücken hier den Weihnachtsbaum, alle erhalten Geschenke. Wir feiern Weihnachten, wir feiern Ramadan", ergänzt Stolze.

Die Erfahrungen der Bewohner gingen auch Stolzes Mitarbeitern nahe. Einen Tag zuvor berichtete eine neue Bewohnerin von einem Video aus der Heimat, das die Hinrichtung ihres Vaters zeigte. Es sei wichtig, das Gehörte aufzuarbeiten, um es ertragen zu können. „Das ist hochbelastend für die Kollegen". Das gelt auch für Abschiebungen. „Das enge Vertrauensverhältnis zu den Bewohnern macht etwas mit den Menschen". Vor einer Abschiebung hole sich die Ausländerbehörde bei ihm den Zimmerschlüssel des jeweiligen Bewohners. „Dann steht fest, irgendwann in den nächsten drei bis fünf Tagen wird dieser Mensch abgeholt werden. Wir wissen nicht wann. Manche Bewohner sind dann morgens einfach nicht mehr da und wir müssen damit fertig werden", so der 49-Jährige. Sein Team und er bieten den Menschen für kurze Zeit eine Heimat. „Wir tun was wir können und helfen bei allen Fragen rund um die Behörden. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, die Verfahren in Frage zu stellen." Wenn auch die rechtlichen Wege im Asylverfahren für einen Flüchtling ausgeschöpft seinen, müsse man auch der Realität ins Auge sehen, erwiderte Heße. Er informierte sich mit seinem Besuch über über das Projekt der Flüchtlingshilfe des Erzbistums, dass auch durch den Erzbischöflichen Flüchtlingsfonds unterstützt wird.

Der Erzbischof besuchte auch die knapp 20 Frauen und Männer des Integrationskurses in der Unterkunft. Von Montag bis Freitag lernen sie fünf Stunden täglich den deutschen Alltag, Werte und Normen und nebenbei auch die Sprache kennen. Unter ihnen sind auch der Afghane Mohammed Nabi und seine hochschwangere Frau Fazilat. Sie sind seit vier Monaten in Deutschland und erwarten im Mai eine Tochter. Nabi spricht elf Sprachen, in der Heimat handelte er mit Autoteilen. Er spricht schon gut Deutsch und versteht noch mehr. Der Anfang 30-Jährige ist auf der Suche nach einem Praktikumsplatz in der Altenpflege, erzählt er Heße. Danach möchte er eine Ausbildung zum Altenpfleger machen. „Ich habe meine Oma in Afghanistan gepflegt. Ich liebe die alten Menschen", so Nabi.

Stolze zeigt Heße einen derzeit noch unbewohnten Wohnblock auf dem Gelände. In jedem Zimmer stehen auf elf Quadratmetern zwei Etagenbetten, ein Spint mit vier kleinen Fächern und unter dem Fenster hängt ein kleiner Heizkörper. Zwei große Müllsäcke voller Kleidung pro Bewohner, ein Musikrekorder, dann sei der Raum gut gefüllt, sagt Stolze. Im Anschluss segnete Erzbischof Heße Bewohner und Mitarbeiter in der Kantine der Unterkunft und dankte Stolze und seinem Team für ihre Arbeit und die Einblicke, die sie ihm gewährt hätten. Anschließend kam Heße noch mit zahlreichen Bewohnern ins Gespräch.

(Text: Stefanie Langos / Fotos: Erzbistum Hamburg/K. Erbe)

www.malteser-hamburg.de