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Eine Familie mit viel Raum

Gründung der Pfarrei "Heilige Familie"

Am 5. September wird in Güstrow die Pfarrei „Heilige Familie" gegründet. Ihr Raum umfasst Güstrow, Bützow, Teterow und Matgendorf und Umgebung. Das heißt: Weite Strecken, viel Land, schöne Städte und interessante Einsatzfelder.

Vor der Gründung ihrer neuen Pfarrei „Heilige Familie" haben sich viele Katholiken aus dem Raum Bützow, Güstrow, Teterow, und Matgendorf auf den Weg gemacht. Mit Tageswanderungen wollten sie alle Gemeinden der künftigen Pfarrei kennenlernen. Das dauerte Jahre. An einem Tag oder in einer Woche würde es niemand schaffen, das Pfarrgebiet abzuwandern. Es ist das größte im Bistum. Dafür bekamen die Pilger einiges zu sehen. Zur Pfarrei Heilige Familie gehört die Mecklenburger Schweiz, die ehrwürdige Residenz- und Kulturstadt Güstrow. Ein Unikum sind die „katholischen" Dörfer um Matgendorf, wo vor über 100 Jahren Bauern aus Franken und Westfalen siedelten.

Teterow hat als Zentrale der katholischen Jugend in Mecklenburg eine lange Tradition – andere Häuser wie das Kolping-Ferienland am Kummerower See sind erst nach der Wende entstanden – ebenso wie viele Dienste der Caritas. Die Caritas-Sozialstationen, aber auch die katholische Familienbildungsstätte Teterow decken weite Landgebiete mit vielen kleinen Orten ab. Und auch mit Gottehäusern ist die katholische Kirche an vielen Orten präsent. Wenn sich jetzt die Pfarreien Güstrow und Teterow zusammenschließen, wird die neue Pfarrei „Heilige Familie" 14 Kirchen haben, kleine Kapellen nicht eingerechnet. Warum Heilige Familie? „Der Name wurde uns vom Bistum vorgegeben", sagt Gesine Fox. „Wir haben beraten und waren einverstanden. Schließlich sind wir alle an Jesus, Maria und Josef orientiert." Gesine Fox, Chefin des Teterower Pflegeheims St. Ansgar, hat zusammen mit Pfarrer Sellenschlo die Entwicklung der Pfarrei geleitet. Eine gute Erfahrung, findet Tobias Sellenschlo, „mit ihr kamen die Caritas und die ,Orte kirchlichen Lebens' noch einmal besser in den Blick." Eine Doppelspitze möchte die neue Pfarrei auch künftig als Leitung haben. Zwei Priester wären dann Pfarreileiter – ungewohnt, aber vom Kirchenrecht erlaubt. Entschieden ist darüber noch nicht. Einstweilen steht die Gründungsfeier am Sonntag, 5. September, auf dem Plan. Wenn alles gut geht, wird Weihbischof Horst Eberlein mit der „Heiligen Familie" um 10.30 Uhr einen Freiluftgottesdienst vor der Kirche in Güstrow feiern. Nach heutigem Stand der Corona-Maßnahmen gibt es keine Teilnehmerbegrenzung.

Ein gefragtes Gebiet für Siedler – auch heute noch

Und was geschieht am Tag danach? „Viele hatten die Sorge, dass nun alles anders wird", sagt Pfarrer Sellenschlo. „Aber für die Mehrheit der Gemeindemitglieder wird sich erst einmal gar nicht viel ändern, ausgenommen der Briefkopf und das Pfarreilogo." Der Gottesdienstplan sei schon vor zwei Jahren der knappen Personalsituation angepasst worden.

Neu ist aber: In jeder Gemeinde bildet sich ein Gemeindeteam, ein gemeinsamer Pfarrpastoralrat. Und aus vier Kirchenvorständen wird einer. Das bedeutet weniger Sitzungen und damit mehr Zeit für die Seelsorge vor Ort. Denn die riesige Fläche ist und bleibt ein großes Problem der neuen Pfarrei. Die Gemeindereferentinnen Juliane Tautorat und Hildegard Pliesch, die Priester Tobias Sellenschlo, Spiritanerpater Francis Opharah und Pastor Peter Amowe – der gerade seine Promotion in Deutschland abgeschlossen hat – bilden das Pastoralteam. Für 4 665 Katholiken ist das genug, für 2 165 Quadratkilometer zu wenig. Die Zusammenarbeit vieler Akteure vor Ort wird gefragt sein, etwa mit Besuchsdiensten oder Hauskommunion. „Der Anfang gibt uns die Chance, uns auf unsere eigenen Kräfte zu besinnen und zu fragen: Wer sind wir und wo wollen wir hin?", sagt Gesine Fox. Vorsätze sind: Liturgie entwickeln, das karitative Wirken in den Gemeinden verstärken, Kontakte nach außen verbessern. Und eine weitere Frage wird die „Heilige Familie" beschäftigen. Wie kann man den Kontakt zu jüngeren Gemeindemitglieder herstellen und erhalten? Denn auch wenn die Gemeinden einen festen und treuen Stamm haben – es gibt mehr neue „Familienmitglieder", als man denkt. Pfarrer Sellenschlo: „Als wir vor fünf Jahren begonnen haben, haben wir uns statistische Daten angeschaut. Viele sind heute überholt. Die Landflucht ist gestoppt. Der Großraum Rostock wächst und ist über die Autobahn schnell zu erreichen. Das macht sich bemerkbar. Wir haben viele Zuzüge, mehr als wir erwartet hatten."
Website der neuen Pfarrei: www.katholisch-mv.de

Text: Andreas Hüser

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