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Don Bosco-Haus Mölln
Bildquelle: www.donbosco-haus.de

Stilles Jubiläum nach Heiliger Nacht

Das Don-Bosco-Haus in Mölln wird am 30. Dezember 50 Jahre alt. Die von Schwester Maria von de Berg gegründete Einrichtung hat sich über die Jahrzehnte immer weiterentwickelt. Inklusion ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. Zu Weihnachten wird das besonders deutlich.

Für den 30. Dezember eine Party zu planen, das ist ziemlich suboptimal. Am 30. Dezember sind die einen Gäste noch ganz erledigt von den Weihnachtsfeiertagen, während die anderen sich schon für die Silvesternacht schonen wollen. Was also tun, wenn der 50. Geburtstag ausgerechnet auf diesen Tag fällt? Am besten erklärt man das ganze folgende Jahr zum Jubiläumsjahr und feiert die Feste des kommenden Jahres wie sie fallen – nur vielleicht ein bisschen doller.

Im Don Bosco-Haus in Mölln wird es 2019 genau so sein. Denn die Therapie- und Fördereinrichtung für Menschen mit schwersten Mehrfachbehinderungen wird in diesen Tagen des ausgehenden Jahres 2018 genau 50 Jahre alt. Schwes-ter Maria von de Berg, deren Familie eng mit den Lübecker Märtyrern befreundet war, gründete 1968 den Trägerverein (der Mitglied im Deutschen Caritasverband ist). Das Jubiläum des „Don Bosco-Hauses für das behinderte Kind" fällt also noch in das Jahr, in dem sich die Ermordung der vier Geistlichen durch die Nationalsozialisten zum 70. Mal jährt. Die Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller und Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten sich vehement gegen die Euthanasie-Politik der Nazis, also gegen die Ermordung behinderter Menschen, ausgesprochen. Gleichwohl als Namenspatron der Einrichtung der heilige Giovanni Don Bosco gewählt wurde, der sich im 19. Jahrhundert für verarmte Jugendliche in Turin einsetzte.

Was zunächst im Pfarrzentrum der Möllner Heilig-Kreuz-Gemeinde als Ferienaktion für 22 behinderte Kinder aus der Gegend begann, hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt. 1971 entstand die erste Tagesstätte auf dem noch heute genutzten Waldgrundstück bei Mölln, finanziert durch Ordensbrüder und Spenden von Eltern. In den folgenden Jahren wurden dort erste Häuser gebaut und so manche Zwischenlösung gefunden, weil die Nachfrage stets größer als die Kapazität war.

Die Ära der Schwester Maria von de Berg endete mit deren Tod im Jahr 2003. Seitdem leiten Diakon Harry Harms das Haus und seine Frau Petra Harms den Trägerverein. Gemeinsam haben sie die Einrichtung weiterentwickelt. „Wir haben das Glück und den Segen erfahren dürfen, dass wir durch Höhen und Tiefen zu dem gekommen sind, was wir heute sind", sagt Petra Harms. Und dazu gehört, dass 163 junge und ältere Bewohner in sieben Wohnhäusern der Einrichtung leben, betreut von 274 Mitarbeitern. „Wir haben eine lange Warteliste von über 80 Menschen", berichtet Petra Harms. Sie muss am Tag des Interviews auch für ihren Mann sprechen, der eine Grippe auszukurieren hat. „Wir sind eine moderne Einrichtung geworden mit einem hervorragenden Ruf", diesen Satz seiner Frau würde er aber sicher auch unterschreiben.

Doch das Don Bosco-Haus kann sich auf dem Erreichten nicht ausruhen. Viele der Bewohner sind zusammen mit der Einrichtung älter geworden. „Wir müssen die Förderangebote also wieder umformulieren und neue Angebote schaffen", erläutert Harms. So konnte dank großzügiger Spenden zum Beispiel ein neues Motorikzentrum eingerichtet werden, das ein breiteres Angebot im Bereich der Ergo- und Physiotherapie erlaubt. Denn für Menschen mit Spasmen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke (Kontrakturen) ist es besonders wichtig, dass sie regelmäßige Bewegungsübungen machen.

Abseits der fachlichen Kompetenz ist es der besondere Geist des Hauses, den auch Besucher immer wieder spüren. Die Bewohner sagen oder zeigen oft, dass sie hier ein Zuhause gefunden haben, sagt Pädagogin Manuela Weiß. Und: „Es geht nicht nur um die Arbeit innerhalb der Dienstzeiten von Montag bis Sonntag, sondern es geht auch um die Seele der Einrichtung", ergänzt Petra Harms. „Wenn wir nicht aus der Kraft des Glaubens heraus leben würden, dann hätten wir nicht erreicht, wo wir heute sind."

Das macht sich ganz besonders zu Weihnachten bemerkbar: Immer am dritten Advent wird mit den Eltern und Angehörigen der Bewohner gefeiert. Für viele von ihnen ist es die wichtigste Feier des Jahres, auch wenn noch gar nicht Weihnachten ist. Nicht nur wegen des eigenen Kindes in der Einrichtung, sondern weil sie persönlich ganz viel mitnehmen, ist Petra Harms überzeugt. „Das ist das Schönste, was wir uns wünschen können", sagt sie. Denn für sie bedeutet Inklusion (gleichberechtigte Teilhabe) nicht einfach nur ein punktuelles Teilnehmen behinderter Menschen an gesellschaftlichen Ereignissen, sondern ein umfassendes Miteinander im täglichen Leben.

Auch die Mitarbeiter-Weihnachtsfeier am Dienstag vor Heiligabend und die Feier mit den Bewohnern der einzelnen Häuser am 24. Dezember haben ihre besondere Bedeutung. „Da beginnt Weihnachten für mich", sagt Manuela Weiß. Und das sagt sie nicht nur für die Zeitung.

(Text: Marco Heinen/ Neue KirchenZeitung)