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Die Nähe Gottes spüren
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / A. Hüser

Georg Taubitz wird in Rom zum Priester geweiht

Es ist keine Priesterweihe wie andere. Zwar wird der Kieler Georg Taubitz von „seinem" Erzbischof Stefan Heße geweiht. Aber das geschieht nicht in Hamburg, sondern in San Ignazio in Rom, am 10. Oktober.

Dass er dabei nicht allein ist, dafür sorgen die Katholiken aus Kiel und Mecklenburg. Sie fahren in Scharen in die Ewige Stadt. Georg Taubitz wird deshalb in Rom geweiht, weil er dort studiert. Der Kieler lebt im „Collegium Germanicum et Hungaricum", dem römischen Priesterseminar für Studenten aus Deutschland und Ungarn, dazu kommen junge Theologen aus Dänemark, Finnland, Kroatien, und einigen anderen Ländern. Für Pilger ist Rom etwas Außergewöhnliches. Wer dort jeden Tag verbringt, sieht das etwas anders.

„Sehenswürdig" sind für Taubitz eher die Begegnungen mit Menschen aus allen Ländern der Weltkirche als die gängigen touristischen Sehenswürdigkeiten. „Um den Trevibrunnen mache ich einen Bogen. Er liegt zwar auf meinem täglichen Weg, aber man kommt an den vielen Touristen kaum vorbei." Natürlich erlebt man in der Kirche von Rom Dinge, die es in Kiel nicht gibt. Zu Pfingsten 2016 war Georg Taubitz Ministrant bei der Papstmesse.
„Große Liturgien sind herrlich und schön. Aber ich finde: Gerade die kleinen Liturgien sind Gelegenheiten, wo man Gottes Nähe spüren kann."

Eine solche kleine Liturgie hat dem damals 17-Jährigen den Anstoß für seine Berufsentscheidung gegeben. „Es war eine kleine Messe auf einer Kinderfreizeit. Wir waren nur vier Leute. Aber da hat es mich ergriffen. Ich habe gemerkt: In diesem Brot und diesem Wein ist Christus wirklich da." Gottes Nähe, die man spüren kann – das ist für Georg Taubitz ein entscheidender Momentder Glaubenserfahrung. Sein Primizspruch spricht davon „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. (Psalm 42,2) „Ich glaube, wir müssen selber immer auf die Suche nach der Wasserader gehen. Und ich sehe meinen Dienst darin, mit Menschen gemeinsam zu suchen", sagt der Diakon.

Es gibt natürlich auch eine Vorgeschichte. „Priester fallen nicht vom Himmel", sagt Georg Taubitz, „sie kommen aus ganz normalen Familien." Er selbst ist mit fünf Geschwistern in einer engagierten katholischen Familie aufgewachsen. Die Geschwister sind Messdiener, ein Bruder Organist: „Wir könnten ein Hochamt jetzt jederzeit allein gestalten", lacht Taubitz. Wenn ein Siebzehnjähriger sicher ist, Priester zu werden, darf er viele Fragen beantworten. „Erstmal kommt die Frage: Was? Katholisch oder evangelisch? Dann kommt die Frage nach dem Sex, und dann kommen die Witze. Ich wäre vielleicht ins Zweifeln gekommen, wenn mich meine Familie nicht unterstützt hätte." Georg Taubitz hat früh mit dem Theologiestudium begonnen und die Zeit genützt. 2012 arbeitete er ein Jahr lang im „Centrum Opieki Socjalnej" des Maximilian-Kolbe-Werkes im polnischen Lodz. Seine Tätigkeit war denkbar unspektakulär: Er besuchte ehemalige KZ-Häftlinge und brachte ihnen Mittagessen. „Ich dachte, vielleicht hassen sie dich, weil du Deutscher bist. Aber es geschah das Gegenteil. Sie sagten: Ihr Deutsche seid toll, denn ihr kümmert euch um uns. Auf der anderen Seite war es schockierend, wenn sie über ihre Erfahrungen aus dem KZ berichteten."

Wenn Georg Taubitz am 10. Oktober geweiht wird, dann wird er der jüngste Priester des Erzbistums sein – und wahrscheinlich auch die nächsten Jahre bleiben. Er kommt in eine Umbruchsituation der Kirche. Sorgen macht ihm das nicht. „Ich bin tendenziell Pragmatiker. Mit Problemen setze ich mich auseinander, wenn es soweit ist. Sein Wunsch: Als Priester sichtbar sein, Zeit für Begegnungen zu haben und die Ohren offen halten. „Jedenfalls weiß ich, dass ich gebraucht werde. Das ist ein schönes Gefühl."

(Text: A. Hüser/ Neue KirchenZeitung)