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"Das Fest des Unmöglichlichen"
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / Giuliani / von Giese

Ostergruß des Erzbischofs

Liebe Schwestern und Brüder im Erzbistum Hamburg!

Noch vor wenigen Wochen hätten wir vieles von dem, was wir jetzt erleben, für vollkommen unmöglich gehalten. Wer von uns hätte sich vorstellen können, dass ein Virus die ganze Welt in seinen Griff bekommt? Dass wir das Osterfest ganz anderes feiern müssen? Oder, dass die Wirtschaft herunterfährt, dass der Verkehr zu Wasser, zu Land und in der Luft förmlich erliegt? Mittlerweile sind wir schon fast an das Homeoffice oder Homeschooling gewöhnt. Konferenzen werden vom heimischen Schreibtisch durch Telefon- bzw. Videokonferenzen geführt. Den Sonntagsgottesdienst können wir an den Bildschirmen oder Radios mitfeiern. Und noch weitere kreative Ideen müssen in Zeiten von Corona umgesetzt werden. Vor kurzem schien vieles noch unmöglich – jetzt sind wir schon fast dran gewöhnt.

Ostern ist das Fest des Unmöglichen. Für die ersten gläubigen Christen war mit dem Tod Jesu am Karfreitag alles aus und ihre Hoffnung wurde begraben. Unmöglich, dass es weitergehen sollte. Weil es so unmöglich war, brauchten sie lange Zeit, bis sie es begriffen haben. Maria von Magdala sieht einen Gärtner vor sich und erkennt in ihm nicht Jesus wieder. Den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus geht es ähnlich: Sie sehen einen Fremden, der mit ihnen zusammen den Weg beschreitet, der ihnen offenbar ganz sympathisch ist, aber wer er ist, das halten sie im Traum nicht für möglich. Und so braucht es bei jedem der Zeugen seine Zeit, bis die Schuppen von den Augen fallen und das Unmögliche wirklich wird, dass nämlich der tote Christus lebt. Um diese neue Wirklichkeit zu beschreiben, wird das Wort von der Auferstehung geprägt. Einer, der tot im Grab liegt, steht auf und erweist sich damit als lebendig.

Liebe Schwestern und Brüder, unser Glaube lebt davon, dass wir nicht nur bei unseren menschlichen Möglichkeiten stehen bleiben. Das wäre viel zu wenig und zu einfach. Nein, es geht darum, dass unsere menschlichen Möglichkeiten durch die Unmöglichkeiten Gottes überboten und aus-geweitet werden. In meinem Bischofsspruch heißt es treffend: Bei Gott ist alles möglich. Das trifft zu allererst auf das Ostergeheimnis zu. Deswegen kann man mit Fug und Recht in Anlehnung an Charles de Foucauld Gott den „Meister des Unmöglichen" nennen.

Dieser Meister des Unmöglichen ist auch in unserer Kirche am Werk. Davon bin ich fest überzeugt. Ohne ihn wäre diese Kirche längst in den kleinen menschlichen Möglichkeiten untergegangen. Aber mit Gott wird diese Kirche immer wieder seinen göttlichen Möglichkeiten entgegenführt, die für uns so unmöglich und unrealistisch scheinen. Ostern lädt uns dazu ein, den Meister des Unmöglichen in Kirche und Welt, in unser persönliches und gemeinsames Leben hereinzulassen. Vielleicht ist ja all das, was wir jetzt an Unmöglichkeiten erleben und, was sozusagen über Nacht möglich wurde, ein Vorgeschmack auf das, was Gott noch mit uns vor hat.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Ihren Familien, Ihren Hausgemeinschaften gerade in dieser Corona Pandemie Gottes reichen Segen und das Vertrauen, dass wir diese unmögliche Zeit schaffen werden. Ein gesegnetes und frohes Osterfest!

Die Osterbotschaft von Erzbischof als Viedeo auf YouTube