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Caritas-Pflegeheime
Bildquelle: Bundeswehr / Aust

Soldaten helfen im Parchim und Wittenburg

Durch die Corona-Maßnahmen benötigen Pflegeheime noch mehr Personal als sonst – allein wegen der vielen Tests. Die Caritas-Pflegeheime in Parchim und Wittenburg haben Verstärkung bekommen – durch Soldaten der Bundeswehr.

Vor dem Betreten einer Pflegeeinrichtung in Mecklenburg müssen sich alle Besucher auf das Coronavirus testen lassen. Das ist auch in St. Nikolaus in Parchim so. Zusätzlich findet beim Personal regelmäßig ein Corona-Test statt. Ingo Schawe, stellvertretender Leiter der Einrichtung, berichtet, dass diese Mehrbelastung das gesamte Pflegeteam an ihre Grenzen brachte. Deshalb sind nun vor Ort auch zwei Soldaten der Bundeswehr im Einsatz, um das Pflegepersonal zu unterstützen.

„Es ist eine echte Entlastung", sagt Schawe. Die Soldaten unterstützen den „Besucherdienst". Das bedeutet, sie empfangen die Besucher, begleiten sie zum Corona-Test und nach einem negativen Ergebnis bringen sie den Besucher auf das Zimmer des jeweiligen Bewohners. Auch für die anschließende hygienische Reinigung des Zimmers sind sie zuständig. Vorher mussten für diese Aufgaben immer zwei Pflegekräfte zur Verfügung stehen, jetzt ist es nur noch eine.
„Das hilft, dass die jungen Männer da sind", sagt auch Bewohnerin Hannelore Hollek (95). Sie erzählt, dass dadurch die Pflegekräfte nun ihre eigentlichen Tätigkeiten, wie beispielsweise die Essensausgabe, nicht mehr unterbrechen müssten, wenn es an der Tür klingelt. War es nicht ungewöhnlich, plötzlich uniformierte Soldaten auf dem Flur zu sehen? „Ich war nicht überrascht. Man hat ja im Fernsehen schon gesehen, dass auch in anderen Einrichtungen Soldaten geholfen haben."

Schnelle Hilfe in schwierigen Zeiten
Ingo Schawe erzählt, dass das Stellen eines Antrages für ihn ganz leicht und relativ formlos gewesen sei. Bevor die Bundeswehr unterstützend zum Einsatz kommen kann, bedarf es allerdings mehr Bürokratie. „Um Amtshilfe leisten zu können, muss bei der Bundeswehr ein Antrag bei den Ansprechpartnern im Landkreis gestellt werden", erklärt Oberstleutnant Ulrich Metzler vom Bundeswehr-Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern. „Dann wird der Antrag nach Berlin zum Kommando ,Territoriale Aufgaben der Bundeswehr' weitergeleitet. Die prüfen einmal rechtlich, ist dieser Einsatz zulässig, und dann natürlich auch hinsichtlich der Ressourcen, haben wir Personal, um den Anforderungen gerecht zu werden. Wenn das genehmigt wird, dann wird das entsprechend organisiert und in Absprache mit der Heimleitung geschaut, wer das dann macht."

Schawe bekam von den Behörden des Landkreises das Angebot, zusätzliche Kräfte zu beantragen. Dann musste er auf einem Formular nur ankreuzen, wie viele Personen zur Unterstützung benötigt werden.

Die soziale Kompetenz der Soldaten steigt
„Wir hatten uns alle Sorgen und Gedanken gemacht, was passiert, wenn Uniformierte jetzt unser Haus betreten. Aber von allen Befürchtungen ist nichts eingetreten", sagt Schawe. Auch Pflegekraft Jana Schulte empfindet den Einsatz nur positiv. „Die Soldaten sind sehr sehr einfühlsam, versuchen sich schnell einzuarbeiten und gehen auf die Bedürfnisse und Emotionen der Bewohner ein", sagt Schulte.

In einer Situation, wo Einfühlungsvermögen gefragt war, befand sich auch schon Hauptgefreiter Lukas Langhof, der in der vergangenen Woche in der Pflegeeinrichtung tätig war. Er erinnert sich, dass auf ihn eine aufgewühlte, ältere Dame zukam. Er hat dann mit ihr geredet und sie beruhigt, bis eine Pflegekraft sie auf ihr Zimmer brachte. „Der Soldat hat sich hingekniet, die Hand der Dame genommen und ihr zugehört", sagt Jana Schulte.

„Ich finde es sehr gut, was die Bundeswehr da macht", sagt der Hauptgefreite. Und auch für ihn hat der ungewöhnliche Einsatz Vorteile. „Die soziale Kompetenz steigt auf jeden Fall", sagt Lukas Langhof. „Am meisten Spaß macht mir der Kontakt mit den Menschen. Und man lernt immer neue Sachen." Jede zweite Woche arbeitet er im Altenheim. Er ist einer von vier Soldaten, die sich jeweils zu zweit den Dienst im Pflegeheim St. Nikolaus teilen. Ingo Schawe ist „heilfroh" über die Unterstützung durch die Bundeswehr. Er lobt, wie engagiert die Soldaten seien. Pflegerin Jana Schulte erzählt: „Wenn gerade keine Besucher da sind, übernehmen sie auch andere Aufgaben. Zum Beispiel sprechen sie mit den Bewohnern oder lesen ihnen aus der Zeitung vor."
Bis zum 21. Februar sind die Soldaten noch im Einsatz. Ein neuer Antrag auf Unterstützung der Bundeswehr ist schon gestellt.

Text: Anna Neumann / Neue Kirchenzeitung