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Bistumstag
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / M. Heinen

Erzbischof stellt Schwerpunkte der Arbeit vor

Auf einem Bistumstag hat Erzbischof Stefan Heße die Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit im Erzbistum Hamburg in den kommenden Jahren bekannt gegeben. Dazu sind am Sonnabend, 9. November, mehr als 300 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und Verantwortliche aus allen Bereichen des kirchlichen Lebens im Hamburger St. Marien-Dom zusammengekommen. Der Tag markiert das Ende der Projektphase im Erneuerungsprozess des Erzbistums, der vor drei Jahren begonnen wurde.

Nach den Worten des Erzbischofs wird die Seelsorge in den Pfarreien „weiterhin das Rückgrat unserer pastoralen Arbeit bleiben". Die Gemeinden bildeten sich als konkrete Gemeinschaften von Menschen durch eine regelmäßige, wenn auch nicht mehr in allen Fällen wöchentlich stattfindende sonntägliche Eucharistiefeier. Dabei sei ein eigenes Kirchengebäude nicht unbedingt konstitutiv für das Gebet und den Gottesdienst.

Die zurückgehende Zahl der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger werde zur Folge haben, dass es nicht mehr alle Bereiche der Seelsorge „im gewohnten Umfang" geben könne. Die Seelsorge werde zukünftig viel stärker als heute vom Ehrenamt geprägt sein. „Für die Hauptamtlichen bedeutet dies: Sie werden besonders in der Begleitung und Betreuung dieser Ehrenamtlichen gebraucht", sagte Heße. Eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben soll durch die Anstellung von Verwaltungsfachkräften gefördert werden.

Weiter kündigte der Erzbischof eine Verkleinerung des Immobilienbestands an. Es sei jetzt schon absehbar, dass zukünftig deutlich weniger Gebäude für die Pastoral zur Verfügung stehen. „Wir wissen, dass die hohen Unterhaltungskosten für Immobilien die Pfarreien dazu zwingen werden, viele Standorte aufzugeben", sagte Heße. Das Erzbistum wolle finanzielle Anreize für die Pfarreien setzen, sich von Immobilien zu trennen.

Die Caritas nannte der Erzbischof als „Beispiel, wie ich mir unser Bistum wünsche, das jenseits eigener Schutzräume in der Welt wirksam wird". Deshalb werde trotz rückläufiger Finanzressourcen die Höhe der Caritaszuschüsse gleich bleiben und auch einen Inflationsausgleich berücksichtigen.

Auch für alle Kindertageseinrichtungen im Erzbistum gab der Erzbischof eine Bestandsgarantie. Sie seien „eine starke Brücke in die Gesellschaft", besonders an Orten ohne weitere kirchliche Strukturen. Außerdem solle die religionspädagogische Qualifizierung der Erziehrinnen und Erzieher intensiviert werden.

Die Reform des katholischen Schulwesens ist nach den Worten Heßes ein gutes Beispiel dafür, „wie es unter äußerst schweren finanziellen und logistischen Rahmenbedingungen gelingen kann, einen für das Erzbistum ungemein wichtigen Bereich neu auszurichten". Die Konzentration auf 15 Schulstandorte in Hamburg und zwei in Mecklenburg ermögliche es, die Schulen mit Investitionen von mehr als 130 Millionen Euro „nachhaltig und für die Zukunft wettbewerbsfähig weiterzuentwickeln".
Er erinnerte weiter daran, dass sich das Erzbistum auch über Kita und Schule hinaus für Bildung engagiere. Die Arbeit der Bildungsstätten und Tagungshäuser müsse künftig besser aufeinander abgestimmt werden. Dazu gehöre auch, sich für ökumenische Trägerschaften zu öffnen. Klar sei schon jetzt, dass nicht alle Häuser bestehen bleiben werden.

Der Erzbischof kündigte weiter eine stärkere ökologische Ausrichtung des Erzbistums an. „Wir werden konkrete Maßnahmen entwickeln, um ressourcenschonender zu leben", sagte er. Die Bewahrung der Schöpfung müsse ein Kernanliegen werden.

Heße wies auch auf die immer größere Bedeutung der Medien hin, die auch das Glaubensleben der Menschen veränderten. „Die Aufmerksamkeit für neue Medien muss sich auch in der Energie zeigen, die wir dort investieren", sagte er.

Trotz Fortschritten in den vergangenen Jahren sieht der Erzbischof weitere Bemühungen um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern als notwendig an. Dies gelte insbesondere für die Besetzung von Leitungsstellen in der Kirche.

In der dreijährigen Projektphase des Erneuerungsprozesses haben mehrere hundert engagierte Menschen auf Bistumstagen, in Gremien und Arbeitsgruppen daran mitgearbeitet, die Schwerpunkte der künftigen Arbeit zu entwickeln. Sie haben einen Pastoralen Orientierungsrahmen erarbeitet, der die Vision einer „Kirche in Beziehung" formuliert.

Zu Beginn seiner Rede skizzierte Erzbischof Heße die Situation, in der dieser Erneuerungsprozess stattfindet: „In den wenigen Jahren, in denen ich jetzt Ihr Bischof sein darf, hat sich für die Kirche in Deutschland vieles verändert: Finanz- und Missbrauchsskandale haben das Vertrauen vieler Menschen erschüttert. Der Umgang mit Macht und Fragen der Sexualität wie auch die Themen Zölibat und Frauenpriestertum werden von vielen mit Nachdruck gestellt. Im sogenannten Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland hoffen viele auf weiterführende Antworten. Andere erwarten gar nichts mehr. Viele sind enttäuscht und haben unserer kirchlichen Gemeinschaft den Rücken gekehrt. Sie trauen uns einfach nicht mehr zu, authentisch Zeugnis von unserem Glauben an Gott abzulegen."

Der Erzbischof resümierte, dass es in dieser Zeit nicht leicht sei, Christ zu sein und als Kirche zu leben. Aber er betonte auch: „Ohne diese Kirche hätte ich und hätten wahrscheinlich viele von uns nie den Glauben kennengelernt." 

(Fotos: Marco Heinen)

Hier finden Sie die Ansprache des Erzbischofs im Worlaut