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Ansgarvesper in St. Michaelis
Bildquelle: Erzbistum Hamburg / Matthias Greve

"Wir Christen, Europa und das Gemeinwohl"

Mit der traditionellen Ansgarvesper in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis – dem Hamburger „Michel" – endete am Sonntagnachmittag (10. Februar) die 46. Sankt-Ansgar-Woche der Hamburger Katholiken, die Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich SJ, zugleich Vorsitzender der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union, gemeinsam mit Hamburgs Erzbischof Stefan Heße in Hamburgs Wahrzeichen zelebrierte. Für Hollerich gab es dabei eine Premiere: „Ich predige das erste Mal von eine Kanzel", gestand er zu Beginn ein. Von einer Kanzel predigte mit Hamburgs Weihbischof Horst Eberlein zuvor am Dienstagabend (5. Februar) ein weiterer katholischer Geistlicher in der evangelischen Stiftskirche zu Ramelsloh (Landkreis Harburg), die um 845 vom Hl. Ansgar gegründet wurde.

Der Luxemburger Erzbischof erinnerte im Hamburger Michel an die herausragende Leistung der Europäischen Union als Friedensprojekt. Was ohne europäische Gemeinsamkeiten Möglichkeit werden kann, zeige sich an dem noch gar nicht so lang zurückliegenden Balkankrieg. „Es scheint manchmal, wir hätten diese Episode vergessen. Aber wir müssen uns daran erinnern, damit wir unseren nachfolgenden Generationen weiterhin Frieden schenken können.
Er sehe diese Verantwortung für das Gemeinwohl auch über Europas Grenzen hinaus. Einige afrikanische Bischöfe hätten ihm gegenüber beklagt, dass in ihren Ländern und Regionen bereits „viele jungen Männer fehlten". Sie fehlten für den Aufbau, die Entwicklung und Versorgung der Länder und Familien, sie „werden zuhause gebraucht".
Die Lebensverhältnisse dort zu verbessern, stehe auch in unserer Verantwortung. „Gemeinwohl ist eine sozialpolitische Form der Nächstenliebe. Und ohne Nächstenliebe wird unser Dienst für Gott zum Götzendienst", so Erzbischof Jean-Claude Hollerich. Er rief dazu auf, es Missionaren, wie dem Heiligen Ansgar, nachzutun. „Sie haben nicht nur das Wort Gottes verbreitet, sondern auch Klöster gegründet und so den Trost Gottes den Leuten auch ganz materiell geschenkt. Und in diesen Klöstern gab es Schulen, denn auch das Lernen ist ein Trost." Ebenso gründeten sie Spitäler. „Hier wurden Wunden zunächst ganz wirklich versorgt", wie auch bei vielen dort die Wunden der Herzen Sorge fanden.

An einem dieser ehemals materiell „wirklichen" Trost-Orte stieg beim traditionellen Abendgebet in Ramelsloh (Landkreis Harburg) Weihbischof Horst Eberlein auf die Kanzel. Um 845 gründete der Hl. Ansgar hier ein Kanonikerstift, nachdem er vor den Wikinger aus Hamburg fliehen musste. „Wir alle haben eine Berufung", erinnerte Weihbischof Eberlein an diesem Ansgar-Ort die Verantwortung aller Christen. „Das ist unser ökumenisches Erbe. Wir sind dabei auf den Spuren des Hl. Ansgars, der an diesem Ort hier als Verfolgter war, aber vor allem als gerufener Pilger Gottes." Dabei sei Ökumene nicht die Kür sondern die Pflicht im Bemühen um Einheit. Der Fokus müsse bei allen Mühen besonders auf die Menschen an den Rändern liegen. „Sie sind uns Bruder und Schwester, sie gehen uns etwas an. Berufung heißt, genau das in den Blick nehmen, nicht bloß sehen, sondern hingehen!"

(Text und Bilder: Matthias Greve)