13. Mai 2013
drucken
"Engel der Kulturen"
Juden, Christen und Muslime setzen in Ahrensburg Friedensprojekt um
Ein "Engel der Kulturen" wurde am Freitag, 26. April im Boden vor dem Ahrensburger Rathaus eingelassen. Es war der Höhepunkt einer Kunstaktion, die seit 2008 schon in fast 50 Städten realisiert wurde.
Das Projekt der Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten versteht sich als Aktion für das friedliche und integrierende Zusammenleben der Menschen sowie als Beitrag gegen Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie.

"Es ist ja gut katholisch, in aller Welt den Kontakt mit allen Menschen guten Willens zu suchen und ein Werkzeug des Friedens zu sein", erläuterte Pfarrer Michael Grodecki, warum sich die Gemeinde "Maria Hilfe der Christen" an dem Projekt beteiligte.

Neben der katholischen Gemeinde waren auch die jüdische und die muslimische Gemeinde der Stadt mit im Boot. An der inhaltlichen Vorbereitung des Aktionstages hatten sich darüber hinaus unter anderem die evangelische und die muslimische Jugend sowie einige Schulen engagiert.

Dass Juden, Muslime und Christen gemeinsam an einer solchen Aktion teilnähmen, dass sei in Ahrensburg sicherlich einmalig, sagte Ibrahim Taskin, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen-Kulturvereins, zu dem auch die Moschee der Stadt gehört. "Wir müssen als Muslime zeigen, dass wir bei solchen Dingen mitmachen und uns nicht verschließen. Gerade jetzt müssen wir zeigen, dass wir eine friedliche Religion sind", zeigte sich Taskin überzeugt.

Doch was ist eigentlich der "Engel der Kulturen"? Aus einer runden Stahlplatte wird ein stilisierter Engel herausgeschnitten. Dieser hinterlässt quasi "am Rahmen" einen Halbmond, einen Stern sowie ein Kreuz als Symbole für den Islam, das Judentum und das Christentum. Dieser Rahmen wird später mit blauem Spezialbeton ausgegossen, so dass der Engel wieder sichtbar wird. Rahmen und blauer Engel, eingefasst in eine Aluminiumplatte, werden dann an prominenter Stelle der jeweiligen Stadt im Boden eingelassen. Zugleich wird eine gleiche Stahlplatte durch Jugendliche vorbereitet, die dann an eine andere Stadt weitergegeben wird.

Der "Engel der Kulturen" für Ahrensburg war in Hattingen in Nordrhein-Westfalen hergestellt worden.
Die aus der Metallplatte herausgetrennten Engel sollen übrigens in absehbarer Zukunft in Jerusalem zu einer zwei Meter hohen Säule geschichtet werden.

Zu der Aktion zählt aber noch ein zweites Element. Denn eine große Engelsform wurde in Ahrensburg zu fünf Stationen gerollt, wo dann weißer Sand in die Form gegossen wurde. Kinder und Erwachsene konnten darin ihren Händeabdruck hinterlassen. Dann wurde der Ring entfernt und zur nächsten Station gerollt, der Abdruck des Engels aus Sand blieb. Hans Peter Weiß, Organisator in Ahrensburg dazu: "Die Sandskulptur, die verweht wieder. Aber die Intarsie vor dem Rathaus bleibt und soll immer wieder erinnern, dass Ahrensburg ein 'Engel der Kulturen' ist, eine Stadt des Friedens."
Quelle: Neue KirchenZeitung - Bildquelle: Marco Heinen / Neue KirchenZeitung