| 12.07.2010 | X Fenster schliessen |
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Fast selbst noch ein Kind
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Kekse oder Karottenbrei für mein Baby? Fieberzäpfchen ja oder nein? Wie sage ich meiner Mutter, dass ich mein Baby erziehe und nicht sie? Beim Rückbildungskurs "Jung mit Baby" geht es um sehr viel mehr als Gymnastik für den Beckenboden. "Jetzt zieht ihr ganz kleine Kreise um den Knöchel eures Babys, wie eine Perlenkette", erklärt die Pädagogin Julia Bromann und zeigt es an den nackten Beinen der neun Monate alten Pelsin. Die genießt die Massage sichtlich. Pelsins Mutter Gurbet Demir ist 19 Jahre alt, gehört damit zu den älteren der jungen Mütter. 14- bis 21-Jährige hat der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Kiel mit seinem Kursangebot "Jung mit Baby" im Blick. Eigentlich stehen dort Rückbildungsgymnastik oder Babymassage auf dem Programm. Doch im Vinetazentrum in Kiel-Gaarden geht es um mehr, als den Beckenboden nach der Geburt zu trainieren. "Kann ich ihm da weh tun?", will Lisa-Marie bei der Babymassage wissen. Ihren Nachnamen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Familienhebamme Dunja Radbruch beruhigt die 22-Jährige. Lisa-Maries Sohn Elay ist erst fünf Monate alt. Doch die Mutter denkt an die Zukunft: Wie das wird, wenn Elay sprechen lernt. "Es wäre blöd, wenn er erst Papa sagt, wo es doch keinen Papa gibt", bemerkt sie. "Die meisten Mädchen sind allein erziehend. Auch wenn sie noch Eltern oder Großeltern im Hintergrund haben", erklärt die Familienhebamme. Viele hätten die Schule abgebrochen. Die Schwangerschaft sei selten ihr einziges Problem. Dementsprechend unregelmäßig besuchen die zehn Mädchen den Kurs. "Manche sind nach einem Besuch auf dem Amt so müde, dass sie nicht noch einen Termin wahrnehmen", sagt sie. Nicht immer leicht sei die Gruppe, gibt sie zu. Manche Mädchen feindeten sich an. Andere ließen ihre Wut an den Babies aus. Für die Kursleiterinnen stellt sich da die Frage nach dem Kindeswohl. Die Hebamme erinnert sich an ein Mädchen, das einerseits selbst heimlich am Schal genuckelt hätte – wie ein Kleinkind. Andererseits sei sie so "aggro" gewesen, dass sie auf den Kinderwagen eingeschlagen hätte. Radbruch mahnt dann an Gruppenregeln. Dazu gehören Grenzen – für sich und das Kind. "Du darfst sie schon wegschieben, wenn es dir zu viel wird", meint sie zu Lisa-Marie, als ein kleines Mädchen auf ihren Sohn zukrabbelt. Doch die beiden Säuglinge scheinen sich gut zu verstehen. Für die jungen Mütter ist das ein Grund, zum Kurs zu kommen: Sie treffen andere Mädchen in ihrer Situation. Die Babies spielen. Initiiert hat den Kurs die Pädagogin Julia Bromann. Sie schrieb ihre Diplomarbeit über "Minderjährige Mütter". Einen Geburtsvorbereitungskurs für junge Mütter gab es schon. Ein Nachsorgeangebot sei die logische Konsequenz gewesen, meint Bromann. Seit einem Jahr besteht der Kurs. Die Finanzierung für ein weiteres halbes Jahr steht. Wie es danach weiter geht, ist unsicher. Weil die Krankenkassen nur zehn Stunden Rückbildung zahlen, ist das Angebot auf Spenden angewiesen. Nähere Infos sowie Spenden an: SkF-Beratungsstelle für Frauen, Familien und Schwangere Tel.: 0431 / 55 47 66 www.st-antoniushaus-kiel.de/ familienhebamme-kiel.html
Quelle: Neue KirchenZeitung
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Weitere Informationen finden Sie hier:
www.st-antoniushaus-kiel.de |
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