zur den Kirchgemeinden
Erinnerungen von Lothar Obst
"Schön, dass Ihr da seid"
Lothar Obst, Bürgervorsteher a.D. der Stadt Mölln, war 1989 Verwaltungsleiter in Städtischen Krankenhaus.
Er berichtet über den 11. November:
Eigentlich stand der Trabbi im absoluten Halteverbot. Und dazu noch in der Feuerwehr-Zufahrt. Damals hat das 70 Mark gekostet. Ich hatte viele solcher Fälle erlebt. Und immer gab es stichhaltige Ausreden.
Natürlich war alles aus individueller Sicht gerechtfertigt. Es gab damals eine sehr verständnisvolle und menschliche Ordnungsamts-Leiterin in Mölln. Und was nicht von ihr an Knöllchen administrativ einkassiert wurde, das musste eben das weite Herz eines engen Krankenhaus-Budgets auf dem Kulanzwege tragen.
Doch bei diesem Trabbi war alles anders. Obwohl es eigentlich genau gleich war. Doch an diesem Sonnabend war eben alles anders. Sonnabend, 11. November 1989. Gerade einmal vierzig Stunden ist es her, dass in Berlin die Bornholmer Straße geöffnet wurde. Achtundzwanzig Jahre Trennung sind vorbei. Die Menschen tanzen auf der Mauer.
Es ist ein klarer, kalter und sonnenreicher November-Sonnabend. Die Luft ist erfüllt von einem fremden Gemisch, das mir niemals mehr aus der Nase gehen wird. Gemisch. Was früher stank, ist jetzt der bleibende Geruch von Freude und Freiheit.
Seit dem Mittag haben wir im Möllner Krankenhaus das Lebensmittel-Lager geräumt. Alles, was verfügbar war, wurde vors Stadthaus geschafft, um unsere Gäste aus Mecklenburg zu versorgen.
Ich bin damals hinaufgegangen zum Krankenhaus, vorbei an jenem Trabbi, in mein Büro im Adolph-Hoeltich-Stift und habe einen Zettel geschrieben. Er klemmte anschließend hinterm Scheibenwischer. Es war kein Knöllchen. Darauf stand: „Herzlich willkommen. Schön, dass Ihr da seid!"

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Beitrag in der Neuen KirchenZeitung
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