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Die DDR - irgendwie doch ganz lustig?
Gerd Mengel über das Thema DDR-Staat im Geschichtsunterricht
„Hat euer Sandmännchen auch einen Bart?“
Wenn Kinder in der Schule ihr Sandmännchen malen sollten,
wurde es gefährlich.

Das Sandmännchen im Fernsehen der DDR hatte einen langen Spitzbart. Der Bart des Sandmännchens West war zwar auch da, aber kaum zu erkennen. Der Lehrer, der nach dem Bart fragte, wollte wissen: Wird bei euch Westfernsehen
geguckt?
Seine Rolle als DDR- und BRD-Vertreter hat das Sandmännchen ausgespielt. Wissen Kinder noch etwas von der DDR? Ist die Geschichte vor 1989 ein Thema in der Schule? „In vielen Schulen kommt die DDR zu kurz“, sagt Gert Mengel, Lehrer an der Rostocker Don-Bosco-Schule. „Das liegt nur zum Teil daran, dass Lehrer diesen Stoff nicht wollen. Meistens
gibt es praktische Gründe: Geschichte ist ein Fach mit wachsendem Umfang. Der Stoff kann oft gar nicht bewältigt werden. Und dann fällt die jüngste Epoche aus.“

Die Behauptung aber, dass das Thema gerade im Osten komplett verdrängt werde, hält Mengel für falsch: „Mich erstaunt oft, wie viel die Schüler mitbringen, schon in der fünften Klasse. Einige kennen das Bild des Grenzsoldaten, der über die Berliner Mauer springt. Eine Schülerin brachte ein Stück der Berliner Mauer mit. Eine andere hat von ihrer Mutter erzählt, die in der DDR eine erfolgreiche Sportlerin war.“ Sogar die Geschichte mit dem Bart des Sandmännchens haben Don-Bosco- Schüler erzählen können.

Im Idealfall erfahren Kinder von Eltern und Großeltern, wie man vor 1989 in Rostock lebte. Aber nicht immer tritt dieser Fall ein. In ihrem Umfeld stehen Jugendliche vor einem großen Angebot von DDR-Bildern: Die DDR-Verherrlichung, die radikale Verurteilung, die Übertragung der eigenen schönen Jugenderlebnisse auf das System „in der FDJ war’s ja doch schön“, und der ironische Rückblick „das Leben war grotesk, aber doch ganz lustig“. Und es gibt Mythen, die man befragen kann, auch Mythen der DDR-Widerstands.

In Fernsehshows wie der DDR-Show mit Katharina Witt (RTL), Ostalgie-Show (ZDF), „Ein Kessel DDR“ (MDR) oder „Meyer &
Schulz“ (Sat 1) feiert die DDR als harmloser Spaß und schöne Jugenderinnerung Auferstehung. „Dass es sich um einen Unrechtsstaat handelt, wo Menschen wegen ihrer Meinung ins Gefängnis gekommen und Biografien zerstört worden sind, kommt in diesen Sendungen gar nicht vor“, kritisiert Mengel. „Deshalb hat Schule hier eine wichtige Aufgabe. Sie muss die DDR als das entlarven, was sie war.“ Das sieht offensichtlich auch der Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern so. Er verordnete den Schulen die Beschäftigung mit dem 9. November 1989.

In der Don-Bosco-Schule wirddas Thema das ganze kommende Jahr eine große Rolle spielen – nicht nur im Fach Geschichte, nicht nur für die Schüler. „Wir versuchen, so viel wie möglich die Eltern einzubeziehen.“ Ein Rundgang durch Rostock, Besuch der Stasi-Gedenkstätte, Beschäftigung mit kritischen Künstlern in der DDR, mit Liedern von Bettina Wegner oder Gerhard Schöne, mit Literatur und politischen Witzen – und immer wieder das Gespräch mit einfachen Menschen, die den Alltag in der DDR erlebt haben...
„Darin liegt jede Menge Potential für entdeckendes Lernen“, sagt Mengel. Entdeckendes Lernen bedeutet auch, sich eine eigene Meinung zu bilden. „Wir bewegen uns dabei immer auf dem Grat zwischen Verdammung und Glorifizierung der DDR. Diese Spannung müssen wir aushalten.“ Der schlechteste Umgang mit der Vergangenheit ist für den Lehrer Gert Menge die Gleichgültigkeit. „Sie kommt zum Ausdruck, wenn jemand sagt: Ich kann’s nicht mehr hören, einmal muss doch Schluss sein. Nein, es darf nicht Schluss sein.“

Gert Mengel (38) ist Lehrer an  der Don-Bosco-Schule, Studienleiter für Geschichte und Dozent an der Universität Rostock. Hinweise auf Unterrichtsmaterial und praktische Tipps für das Thema DDR in der Schule gibt die Sonderausgabe der Zeitschrift Praxis Geschichte vom September 2009 (www.praxisgeschichte.de). Gert Menge gehört
zu den Autoren.


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