zur den Kirchgemeinden
Projekt Domerneuerung
Konzept der Innengestaltung von W. Gies
Klare, einfache Formen mit geraden Linien, ohne ablenkende Details und Zierrat: So wird das „Design“ des neuen Hamburger Marien­doms aussehen. Anfang April wurden in Hamburg die Entwürfe von Wilhelm Gies vorgestellt.

Das Konzept des Kölner Künstlers hatte nach einem Wettbewerb den Zuschlag des Bauherren erhalten. Gies hat sich im Norden bereits mit herausragenden
Kirchengestaltungen einen Namen gemacht. Von ihm stammt die innere Gestaltung der St. Christophorus-Kirche in Westerland und der Edith-Stein-Kirche im Hamburger Stadtteil Neu Allermöhe. Wie in diesen beiden Kirchen setzt Wilhelm Gies auch im Hamburger Dom auf archaische, einfachste Formstrukturen.

Der Altar besteht aus einer wuchtigen Steinplatte, die auf drei Säulen ruht. Diese Elemente sind allerdings nicht zusammengesetzt, sondern aus einem einzigen Kalksteinblock gehauen: Gewicht: 3,5 Tonnen. Der Altar wird, allein durch seine Größe und sein optisches Gewicht, der klare Mittelpunkt des Altarraums sein.
Auch die neue Tabernakelstele, auf der der Tabernakel ruht, könnte kaum einfacher gezeichnet sein: drei übereinander gestellte steinerne Würfel mit einer Aussparung für das Allerheiligste.
Im Vergleich zu diesen rechtwinkligen, kantigen Monumenten wirkt der Ambo mit seinen schrägen Linien fast luftig. Er besteht aus einem quaderförmigen Fuß, dessen Ansichtsfläche dreimal unterbrochen ist und in einen Tisch übergeht. Die Seitenansicht erinnert  an ein Gefäß oder eine geöffnete Hand.
Auch die „Cathedra“, der Bischofsstuhl, und die Chorstühle folgen dem schlichten Grundkonzept. Verglichen mit den reich verzierten, farbenfrohen und gepolsterten Bischofssitzen, wie man sie etwa in Fulda oder anderen barocken Kirchen findet, deutet der Hamburger Bischofsstuhl kein bisschen
Bequemlichkeit an.

Außer den Kunstwerken werden weitere Elemente für einen ganz neuen Eindruck sorgen. Der Taufstein rückt von seinem alten Standort in den Mittelgang. Der Teppichboden, der als Dauerprovisorium in der Kirche lag, weicht einem „kirchengerechten“ Boden aus Naturstein. Die Platten,  die verlegt werden, haben mit 90 mal 90 Zentimeter eine außergewöhnliche Größe. Sie sollen dem Begeher einen ganz neuen Raumeindruck verschaffen und den romanischen Gedanken des Weges von der Welt zum Ort der heiligen Gegenwart Gottes verstärken.

Ursprünglich gar nicht geplant war die Einbeziehung alter Wandgemälde in das neue Konzept. Die Darstellungen aus dem Leben Mariens wurden überraschend während der Restaurierungsarbeiten gefunden und sollen sichtbar bleiben. 

Quelle: Neue KirchenZeitung


Statement von Wilhelm Gies zur künstlerischen Gestaltung des Innenraums
Projekt Mariendom Hamburg Künstlerische Gestaltung des Innenraums
Pressemitteilung 02. April 2008

Der damalige Architekt Güldenpfennig hatte eine Reihe Entwürfe für den Neubau der Kirche in St. Georg gezeichnet: wie damals üblich, in gotischer und unterschiedlich romanischer Manier.
Es gab allerdings den dezidierten Wunsch, die Hamburger St. Marienkirche nach seinem strengsten und puristischsten Entwurf im romanischen Baustil des gebundenen Systems zu errichten.
Man kann dies als Versuch werten, einer allgemeinen geistigen Unsicherheit zu begegnen, indem man sich in der Formensprache wieder mit Grundformen, mit ursprünglichen, elementaren Formen auseinandersetzte, die den religiösen Ernst des Mittelalters reflektierte.
Dem Menschen sollte Geborgenheit und Schutz vor der Bedrohung der Entpersönlichung auf der Schwelle der Moderne vermittelt werden.
Das Motiv des Schutzes, des Bergenden, der Dauer und der Unerschütterlichkeit machte diesen Baustil zum Ideal des Kultraumes.
Seine schnörkellose Formensprache ist dem Ernst einer verantwortungsvollen, puristischen modernen Formensprache wesensverwandt. Die von mir entworfenen Prinzipalien und das Gestühl halten sich daran. Ihre Kennzeichen sollen sein: Strenge, Klarheit, Schlichtheit und auch Demut.
Das Gestühl ist aus dem Quadrat entwickelt. Chorgestühl und Sedilien unterscheiden sich lediglich durch die unterschiedliche Ausformung der Rückenlehnen. Die Kathedra ist entsprechend ihrer Bedeutung deutlicher unterschieden, bleibt aber in der Formfamilie.
Der Altar aus Vilhonneur z. B. erhält seine solitäre Wirkung einzig durch seine strenge, scharf geschnittene Form. Die Oberfläche des Steins wird soviel Licht absorbieren, dass kein Glanz die Form auflösen kann.
Der Ambo aus gleichem Material steht auf einem vorgeschobenen Stufensockel aus dem Bodenmaterial und nimmt formal die Treppenstufung auf. Die Anzahl von vier Stufenteilen, die die Buchauflage tragen, weist auf die vier Evangelisten hin.
Das Lesepult soll bewusst aus Beständen des Erzbistums beschafft werden und als ein Dokument aus der Gründungszeit des Mariendoms spannungsreich in die Neugestaltung integriert werden.
Hängekreuz und Tabernakel werden aus dem Bestand übernommen. Vertrautes bleibt somit erhalten, und zugleich werden verschiedene Stil- und Kunstauffassungen dokumentiert und somit auch Gemeindegeschichte.

Schmuck ist ausreichend durch das Apsismosaik mit den integrierten Farbfenstern gegeben. Beide sind qualitätvoll und handwerklich auf hohem Niveau und als Ensemble neben Maria Laach einzigartig nördlich der Alpen.
Dem kann als Schmuck nur noch ein stilistisch eingebundener hochwertiger Steinboden, großformatig gelegt und materialkontrastierend zu den putzsichtigen Wänden, Pfeilern und Wölbungen hinzugefügt werden. Die Größe seines Plattenmaßes ist aus den Maßen der Vierung entwickelt. Die Platten sind so ausgerichtet, dass ein zur Apsis hin orientierter Weg entsteht, der alle, die „mühselig und beladen" sind, zum Chorraum hin zu einer befreienden Erlösung führt.


Aussgangssituation
Im Inneren des Mariendoms besteht dringender Sanierungsbedarf:
  • Durchfeuchtungsschäden an Putz und Ausmalung
  • Rissengebilde im Gewölbe
  • Kondenswasserschäden an den Fenstern
  • Schäden am Mosaik (Hohlräume, lose Steine)
  • Setzungsschäden an der Taufkapelle
  • Durchrostungen an den Portalen
  • Feuchtigkeit im Fußboden
  • unzeitgemäße technische Anlagen
Umfang des Projekts
Die wesentlichen Punkte der Domerneuerung sind:
  • Neubau eines Atriums mit Sakristei und Funktionsräumen
  • Zugang zur Krypta
  • Künstlerische Gestaltung der Altarinsel mit Ambo und Chorgestühl
  • Neue Portale und ein Natursteinboden
  • Sanierung der Fenster
  • Sanierung des Apsismosaiks
  • Innenanstrich - neues Farbkonzept
  • Verlegung des Taufbeckens in den Mittelgang des Hauptschiffes
  • Sanierung und Erweiterung der Beckerath-Orgel

Neben gestalterischen Änderungen besteht erheblicher Sanierungsbedarf im Innenraum des Doms.
Ebenfalls erneuert werden die technischen Anlagen wie Heizung, Elektrik, Beleuchtung u.v.a.m. 


weiterführende Links:

Download - Das Gesamtkonzept zum Umbau und Sanierung der Domkirche