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Hermann Lange - ein Porträt
"Menschen sind doch nur Werkzeuge in Gottes Hand"
Hermann Lange wurde am 16. April 1912 im ostfriesischen Leer geboren. Als Sohn eines Seefahrtsoberlehrers wuchs er, anders als Prassek und Müller, in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Lange besuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt und trat dort der Schülergruppe des „Bund Neudeutschland“ (ND) bei, einer katholischen Erneuerungsbewegung für Jugendliche. Neben dem ND hatte auch Hermann Langes Onkel, der Osnabrücker Domkapitular war, großen Einfluss auf seine geistige Entwicklung und war schon in jungen Jahren ein großes Vorbild für ihn.

Hermann Lange studierte von 1933 bis 1937 Katholische Theologie in Münster und empfing im Dezember 1938 im Dom zu Osnabrück das Sakrament der Priesterweihe. Nach priesterlicher Tätigkeit im ostfriesischen Neustadtgödens und in Lohne bei Lingen wurde er im Juni 1939 Adjunkt und ein Jahr später Vikar der Lübecker Herz Jesu-Gemeinde. Dort überzeugte er vor allem mit seiner Bildung und seinen anspruchsvollen Predigten. Zeitzeugen beschreiben ihn als ungewöhnlich ernsthaft, zuverlässig und pädagogisch begabt.

Hermann Lange konnte die Umtriebe der Nazis nur mit Abscheu registrieren. Im kleinen Kreis prangerte er die Kriegsverbrechen der Deutschen an und vervielfältigte und verteilte Flugblätter und NS-kritische Schriften, darunter die Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen. Am 15. Juni 1942 wurde Lange von der Gestapo verhaftet. Er leugnete seine negative Einstellung zum Nationalsozialismus und Krieg nicht. In einem Brief aus seiner Haftzeit schrieb er: „Ich persönlich bin ganz ruhig und sehe dem Kommenden entgegen. Wenn man wirklich die ganze Hingabe an den Willen Gottes vollzogen hat, dann gibt das eine wunderbare Ruhe und das Bewusstsein unbedingter Geborgenheit … Menschen sind doch nur Werkzeuge in Gottes Hand. Wenn Gott meinen Tod will – es geschehe sein Wille …“ (1). Am 10. November 1943 um 18.36 Uhr starb Hermann Lange in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg am Holstenglacis durch das Fallbeil.

Quelle:
(1) Voswinckel, Peter (2010): Geführte Wege. Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild. Hamburg: Butzon & Bercker/Sankt Ansgar Verlag, S. 131-132